Männerleichen in Forst: Spur führt nach Montenegro zur Mafia

Männerleichen in Forst: Spur führt nach Montenegro zur Mafia

Zwei Männerleichen werden in einer Wohnung in der südbrandenburgischen Kleinstadt Forst entdeckt. Die Polizei vermutet ein Gewaltverbrechen. Hat die Mafia die Finger im Spiel?

Forst (Lausitz) (dpa/bb) - Bei den getöteten Männern im brandenburgischen Forst (Landkreis Spree-Neiße) soll es sich nach Angaben montenegrinischer Zeitungen um Mitglieder einer Mafia aus dem Balkanstaat handeln. Die brandenburgische Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich mit Verweis auf laufende Ermittlungen dazu am Mittwoch nicht. Der Fund der Männerleichen gehe auf eine Abrechnung unter Mafia-Mitgliedern zurück, schrieb die regierungskritische Zeitung «Vijesti». Hintergrund sei ein seit mehreren Jahren andauernder Streit in der Adria-Küstenstadt Kotor zwischen zwei Clans. Zuvor hatte unter anderem der «Tagesspiegel» berichtet.
Die beiden Männer sind laut «Vijesti» polizeibekannte Montenegriner. Zwei weitere Männer, ebenfalls aus Montenegro, sollen bei dem mutmaßlichen Angriff am Montag verletzt worden sein. Die Leichen waren am frühen Montagmorgen in einer Wohnung in der Brandenburger Kleinstadt entdeckt worden. Aufgrund der Situation, in der die beiden gefunden wurden, geht die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus.
Bei dem jahrelangen Banden-Streit gehe es um Drogengeschäfte, berichteten örtliche Medien. Die eine Bande soll der anderen 200 Kilogramm Kokain gestohlen haben. Seitdem seien rund 40 Menschen ermordet worden. Darunter ist den Angaben zufolge auch ein 32-jähriger Montenegriner aus Wien. Der Mann war im vergangenen Dezember unweit des Stephansdoms von einem Unbekannten erschossen worden. Sein 23-jähriger Begleiter wurde durch Schüsse schwer verletzt. Die beiden Opfer wurden ebenfalls einem der beiden Clans zugerechnet.
Laut Brandenburger Medien soll es sich bei einem der beiden Toten aus Forst um einen Informanten des Bundeskriminalamtes handeln. Die Behörde sollte nach dem Bericht auch in weiten Teilen die Ermittlungen übernommen haben. Eine BKA-Sprecherin dementierte dies am Mittwoch: «Wir führen keine Ermittlungen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
Forsts Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) erklärte schon am Dienstagabend mit Verweis auf die vielen Anfragen von Vertretern der Presse: «An Spekulationen werde ich mich nicht beteiligen.» Es sei ausschließlich Sache der Staatsanwaltschaft und der Polizei, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um das Verbrechen aufzuklären. Für die Bewohner in der Stadt bestehe keinerlei Gefahr, so Taubenek.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 15. Mai 2019 15:30 Uhr

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