Studie: Ostdeutsche Studierende wollen nach Abschluss weg

Studie: Ostdeutsche Studierende wollen nach Abschluss weg

Viele junge Menschen zieht es nach dem Studium in ein anderes Bundesland. Vor allem die ostdeutschen Länder leiden laut einer Studie darunter, dass ihnen nach dem Uni-Abschluss der Rücken gekehrt wird. Was wollen sie dagegen tun?

Studenten im Hörsaal

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Studienanfänger in einem Hörsaal der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv

Magdeburg/Erfurt/Potsdam (dpa) - Viele junge Menschen, die in Ostdeutschland studieren, wollen einer aktuellen Studie zufolge nach ihrem Abschluss in ein anderes Bundesland ziehen. Besonders gravierend ist dieser negative Trend in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, wie aus einer am Mittwoch in Köln publizierten Studie der Uni Maastricht und des Personaldienstleisters Studitemps hervorgeht. Demnach planen zwei von drei Studierenden in Sachsen-Anhalt, nach dem Abschluss wegzuziehen. In Brandenburg liegt dieser Anteil bei 57 Prozent. In Thüringen sieht etwas mehr als die Hälfte der Befragten die eigene Zukunft in einem anderen Bundesland. In Sachsen ist es jeder Vierte und in Mecklenburg-Vorpommern jeder Fünfte.
Die Metropolen Hamburg oder Berlin haben hingegen deutlich mehr Menschen, die für Studium und Jobperspektive dort ihre Zukunft planen - als von dort wegzugehen. Das sei wenig überraschend, hieß es aus dem Wissenschaftsministerium in Potsdam. «Brandenburg ist eben kein Land mit einer Fülle an Arbeitsplätzen wie München, Hamburg oder Berlin», sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding am Mittwoch. Vor allem in wirtschaftlich schwächeren Regionen seien nicht immer genügend qualifizierte Stellen für die Absolventen vorhanden.
Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sieht vor allem die heimischen Unternehmen in der Pflicht, sich aktiver um Hochschulabsolventen zu bemühen und sie an sich zu binden. Außerdem versuche auch die Landespolitik, die Karrieremöglichkeiten in kleinen und mittleren Unternehmen bekannter zu machen, sagte Tiefensee dem «Handelsblatt».
Die Studie ergibt ein differenziertes Bild: So gelingt es etwa Sachsen und Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich gut, Abiturienten aus anderen Bundesländern für ein Studium an den eigenen Hochschulen zu gewinnen. Das war auch ein Ziel des Hochschulpaktes von Bund und Ländern: Die ostdeutschen Länder erhielten Studienplätze, die sie wegen der eigenen schrumpfenden Schülerzahlen eigentlich nicht mehr brauchten - und warben um die starken westdeutschen Abijahrgänge.
So kommen laut Studie 30 Prozent mehr Studienanfänger nach Sachsen-Anhalt als von hier für die Hochschulausbildung wegziehen. In Sachsen sind es 25 Prozent. Höher ist dieser Wert bundesweit nur im Stadtstaat Bremen. Während Sachsen mit diesem Zuzug zum Studienstart die Abwanderung nach dem Abschluss nahezu ausgleichen kann und fast so viele Nachwuchskräfte im Land hält, wie es dem eigenen Anteil der Abiturienten entspricht, verliert Sachsen-Anhalt den Großteil der zum Studium zugewanderten jungen Menschen rechnerisch wieder.
Es sei gelungen, die Länder als attraktive Studienstandorte zu etablieren, kommentierte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) die Studie. Jetzt gelte es, die Studierenden zum Bleiben zu gewinnen. Dafür müssten Unternehmen wie auch das Land selbst am positiven Image arbeiten. Jahrelang habe das Land auch mit seiner sich selbst verordneten Sparpolitik nicht gerade Anreize zum Bleiben geliefert, sagte Willingmann. Auch Wirtschaftsvertreter drängten darauf, den Ruf als Niedriglohnland weiter abzuschütteln. Ein Erfolgsmodell könnte sein, das duale Studium auszubauen, um junge Leute frühzeitig zu binden, so die Arbeitgebervertreter weiter.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 28. März 2019 12:00 Uhr

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