Bauern fürchten Kürzungen der EU

Bauern fürchten Kürzungen der EU

Möglicherweise weniger Geld von der EU, Kritik von Tierschützern oder die Bedrohung durch den Wolf: Brandenburgs Bauern stehen vor vielen Herausforderungen. Regierungschef Woidke spricht ihnen Mut zu.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD)

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Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) steht neben einer Milchkuh. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Paaren/Glien (dpa/bb) - Brandenburgs Bauern blicken mit Sorgen auf mögliche Kürzung der EU-Zahlungen an die Landwirtschaft. «Wir dürfen nicht zum Bauernopfer werden», sagte Landesbauernpräsident Henrik Wendorff am Freitag auf der jährlichen Landesbauernversammlung in Paaren/Glien (Havelland). «Wir werden kämpfen, dass man uns als Landwirte ernst nimmt und man die ländlichen Regionen ernst nimmt», sagte Wendorff.
Derzeitige Pläne sehen vor, dass der EU-Haushalt im nächsten Jahrzehnt trotz des Brexits unter anderem für Verteidigung, Forschung, Jugend und Grenzschutz aufgestockt wird. Finanzhilfen für Landwirte sollen dagegen gekürzt werden.
Wendorff sagte, die Bauern stünden für eine Reduzierung des umstrittenen Pflanzengiftes Glyphosat, den Schutz des Grundwassers oder die Reduzierung von klimaschädlichen Gasen. Allerdings sei die Politik heute schnell mit Verboten, ohne dass es bereits andere Lösungen gebe. «Wer Verbote erlässt, muss sich auch Gedanken über Alternativen machen.»
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stellte sich angesichts der Debatte um den Tierschutz demonstrativ vor die Bauern. Man könne stolz auf die Tierhaltung in Brandenburg sein, sagte Woidke vor mehreren Hundert Teilnehmern der Versammlung. Es sei etwa bei Legehennen, der Milchviehhaltung oder der Schweinezucht in den vergangenen Jahren viel passiert. Milchkühe würden in Brandenburg seit langer Zeit ohne Kette gehalten, das sei in Deutschland nach wie vor die Ausnahme.
Nach dem Worten von Woidke steht die Landwirtschaft in Brandenburg für rund eine Milliarde Euro Bruttowertschöpfung pro Jahr und für 40 000 Arbeitsplätze. Wie auch Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) sprach er sich gegen eine Benachteiligung der im Osten besonders großen Betriebe innerhalb der EU-Förderung aus. «Wir werden um jeden Euro kämpfen», sagte Vogelsänger.
Auch das heftig diskutierte Thema Wolf spielte auf dem Bauerntag eine Rolle. Vogelsänger sagte, in seinen Augen sei der Erhaltungszustand in Brandenburg bereits erreicht. «Wenn jemand noch Sehnsucht nach Wölfen hat - wir stellen gerne ein Rudel zur Verfügung», sagte er mit Blick auf westliche Bundesländer. Derzeit ist der Wolf noch streng geschützt, ein Abschuss deshalb nur in extremen Einzelfällen möglich.
In der Debatte unter den Bauern ging es unter anderem auch um die Afrikanische Schweinepest und die Frage, ob Gentechnik eingesetzt werden könnte, um ein Übergreifen auf Hausschweine zu verhindern.
Zudem wurde Vogelsänger aufgefordert, wie in einigen anderen Bundesländern ein Förderprogramm für Grünstreifen aufzulegen. Damit werden Bauern entschädigt, wenn sie Feldränder zum Schutz von Insekten nicht bebauen. Vogelsänger sagte dazu, er werde dies für die nächste Förderperiode prüfen. Allerdings gebe es im Land bereits sechs andere, ähnliche Förderprogramme, von denen dann eines wegfallen müsse.
Die Bauernversammlung findet traditionell auf der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (Brala) statt. Dort zeigen noch bis Sonntag rund 700 Aussteller und Züchter unter anderem Traktoren, Stallbauten oder neue Getreidesorten. Zur Eröffnung am Donnerstag waren rund 12 000 Menschen gekommen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 11. Mai 2018