Zeuge in mutmaßlichem Kannibalen-Fall: Opfer hatte Sex-Date

Zeuge in mutmaßlichem Kannibalen-Fall: Opfer hatte Sex-Date

Im Prozess gegen einen 41-jährigen Lehrer wegen Mordes mit Kannibalismus-Verdacht ist der Mitbewohner des Opfers als erster Zeuge befragt worden.

Justitia

© dpa

Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel.

Der Mann berichtete am 17. August 2021 vor dem Berliner Landgericht, sein langjähriger Freund habe die Wohnung in der Nacht zum 6. September 2020 «in bester Laune» verlassen. Zuvor habe er sich über das Internet zu einem Sex-Date verabredet. Zu Beginn des zweiten Prozesstages hatten die Verteidigerinnen erneut angegeben, dass sich ihr Mandant zunächst nicht äußern werde. 
Der deutsche Angeklagte soll einen 43 Jahre alten Monteur umgebracht haben, um durch die Tötung sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu essen. Die Leiche soll der Lehrer in seiner Wohnung in Berlin-Pankow zerteilt und Leichenteile an verschiedenen Orten in der Stadt abgelegt haben. Der Monteur galt wochenlang als vermisst. Das Verbrechen kam ans Licht, nachdem im November Knochenteile an einem Waldstück in Berlin-Buch entdeckt worden waren. 
Der erste Zeuge im Prozess sagte weiter, sein Mitbewohner sei lebenslustig gewesen. Es sei öfter vorgekommen, dass sich der Monteur im Hochleitungsbau über ein Dating-Portal verabredet habe - «mit Frauen und auch mal mit Pärchen». Dass es auch Treffen mit Männern gab, sei ihm nicht bekannt gewesen, so der Zimmermann. Er bestätigte, dass der Mitbewohner Potenzmittel eingenommen habe. Hin und wieder habe der Monteur auch Kokain konsumiert. 
Ein weiterer Bekannter des Opfers sagte, der 43-Jährige sei ein Junggeselle gewesen, der «sein Leben genossen» habe, gesund und sexuell aktiv gewesen sei. Aus einer Frage einer Verteidigerin ging hervor, dass dieser Zeuge in einer polizeilichen Vernehmung «einen Herzinfarkt beim Sex» für möglich gehalten haben soll. Der Mann sagte nun, eine solche Äußerung könne er sich nicht erklärten. 
Nach Ermittlungen hatte sich der Monteur in der Nacht seines Verschwindens ein Taxi bestellt. Der Fahrer schilderte vor Gericht, der Kunde habe als Fahrtziel eine Adresse in Pankow genannt. Nach kurzer Fahrt habe der Mann allerdings aussteigen wollen. «Er sagte, er wollte mit der S-Bahn weiterfahren.» Das sei gegen 2.14 Uhr gewesen. Er soll noch in derselben Nacht ermordet worden sein. Der Prozess wird am 19. August fortgesetzt. 

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 17. August 2021 15:19 Uhr

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