Schwerer Unfall durch Raserei: Dreieinhalb Jahre Haft

Schwerer Unfall durch Raserei: Dreieinhalb Jahre Haft

Nach einer Raserei mit einem Unfall, bei dem der Fahrer eines Motorrollers schwer verletzt wurde, ist ein Autofahrer zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den 44-Jährigen am Mittwoch wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens sowie wegen gefährlicher Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht schuldig.

Paragrafen-Symbole

© dpa

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen am Eingang zu einem Gericht zu sehen.

Der Angeklagte habe sich nach einem Streit mit seiner Ehefrau erheblich alkoholisiert ans Steuer seines Autos gesetzt, hieß es im Urteil. Er habe sich in einem «persönlichen Ausnahmezustand» befunden. Seine Fahrweise sei «aggressiver und gewagter» geworden. Das Gericht verhängte zudem eine vierjährige Führerscheinsperre.
Nachdem der Angeklagte am 17. Mai 2020 in Berlin-Marienfelde mit einer Machete auf andere Autos eingeschlagen habe, sei er dort mit bis zu 151 Stundenkilometern gerast, hieß es weiter im Urteil. Zwei rote Ampeln habe er ignoriert und sich dann der Kreuzung Großbeerenstraße/Daimlerstraße genähert. Der 44-Jährige habe einen stehenden Motorroller zu spät erkannt. «Er leitete eine Vollbremsung ein, konnte aber nur noch auf 45 bis 50 km/h verringern.» Mit Wucht habe er den Motorroller gerammt.
Der damals 53-jährige Fahrer sei 15 bis 18 Meter weit durch die Luft geschleudert worden, sagte der Vorsitzende Richter. Der Mann sei vor allem an Rücken und Beinen schwer verletzt worden. «Er ist bis heute nicht belastbar.» Obwohl sich der Roller in die Front des Unfallwagens gebohrt hatte und festklemmte, sei der Angeklagte noch 5,3 Kilometer gefahren. Rund zwei Promille Alkohol im Blut seien später bei ihm festgestellt worden.
Der Vorwurf des versuchten Mordes habe sich nicht bestätigt, so der Richter. «Wir sehen keine bedingte Tötungsabsicht». Das Gericht folge einem psychiatrischen Gutachter und gehe von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit des nicht vorbestraften Mannes aus.
Der Angeklagte hatte um Verzeihung gebeten und von einem «Filmriss» gesprochen. Er habe getrunken, «um die Sorgen hinunterzuspülen». Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Haft unter anderem wegen versuchten Mordes gefordert. Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 21. April 2021 16:48 Uhr

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