Mit Thallium vergiftet: Angeklagte weist Mordabsicht zurück

Mit Thallium vergiftet: Angeklagte weist Mordabsicht zurück

Weil sie ihren ehemaligen Lebensgefährten mit Thallium vergiftet haben soll, steht eine 55-Jährige vor dem Berliner Landgericht. Die Frau wies den Vorwurf des versuchten Mordes zu Prozessbeginn am Mittwoch (17. Februar 2021) zurück.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand

© dpa

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Sie sei zwar für eine der angeklagten Vergiftungen verantwortlich, habe ihren Ex-Partner aber nicht töten, sondern für sich «zurückhaben» wollen. «Ich wollte, dass er erkrankt und ich seine Retterin bin», erklärte die Frau. Laut Anklage ist der 48-Jährige wegen der Vergiftung zu 80 Prozent schwerbehindert.

Schwäche, Lähmungserscheinungen, starke Magenschmerzen, Haarausfall und Gewichtsverlust

Die Deutsche soll ihrem damaligen Partner zunächst von Juni 2017 bis Juni 2019 geringe Dosen des hochgiftigen Schwermetalls verabreicht haben. Der Mann sei daraufhin schwer erkrankt und habe stationär behandelt werden müssen. Sie habe ihn schwächen wollen,  «um ihn von sich abhängig zu machen», so die Anklage. Der Mann habe Symptome wie allgemeine Schwäche, Lähmungserscheinungen, starke Magenschmerzen, Haarausfall und Gewichtsverlust entwickelt.

2,11 Gramm Thalliumsulfat ins Cola-Getränk gemischt

Etwa ein Jahr nach der Trennung soll die 55-Jährige ihren Ex-Freund am 14. Juli 2020 über einen angeheuerten Mann in ein Lokal bestellt haben. Heimlich habe sie dem 48-Jährigen am Tresen in ein von ihm bestelltes Cola-Getränk etwa 2,11 Gramm Thalliumsulfat gemengt – eine potentiell tödliche Dosis, so die Anklage. Der Mann habe zwar überlebt, leide aber seitdem unter Schmerzen und Taubheitsgefühlen.
Der 48-Jährige betrat auf eine Gehhilfe gestützt den Gerichtssaal. Er habe die Frau 2016 nach langer Zeit wiedergesehen, erklärte der Zeuge. Die Beziehung sei aufgelebt. 2017 habe er sie allerdings wieder lösen wollen. «Damals fingen die Magenkrämpfe an», so der Mann. Die Angeklagte habe den Eindruck erweckt, «als würde sie alles tun, um mir zu helfen». Später habe sie ihm «ein schlechtes Gewissen gemacht, um mich bei sich zu behalten». 

Angeklagte bezeichnete Opfer als ihre «große Liebe»

Die Mutter dreier erwachsener Kinder hatte erklärt, der Mann sei ihre «große Liebe» gewesen. Sie hätten sich 1995 kennengelernt und mehrfach getrennt. Sie bestreite ausdrücklich, dem Mann bereits 2017 bis 2019 Thallium verabreicht zu haben. Der Prozess gegen die seit August 2020 inhaftierte Frau wird am 24. Februar fortgesetzt. 

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 17. Februar 2021 14:09 Uhr

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