Journalist sagt als Zeuge im «Tiergartenmord»-Prozess aus

Journalist sagt als Zeuge im «Tiergartenmord»-Prozess aus

Im Prozess um den sogenannten Tiergartenmord in Berlin befragt das Kammergericht jetzt einen Journalisten, der mit seinen Recherchen zu den Ermittlungen beigetragen haben soll. Aus Sicherheitsgründen wurden am Mittwoch (16. Februar 2021) zu Beginn der Zeugenaussage weder Name, Alter noch Wohnort des Mannes genannt.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand

© dpa

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Der in Bulgarien aufgewachsene Mann, der nach eigenen Angaben überwiegend ehrenamtlich für das Recherchenetzwerk Bellingcat arbeitet, wurde von Personenschützern bewacht. Angeklagt ist ein Russe, der am 23. August 2019 einen 40-jährigen Georgier tschetschenischer Abstammung, der seit Ende 2016 als Asylbewerber in Deutschland lebte, in der Parkanlage Kleiner Tiergarten mit einer Schalldämpfer-Pistole am helllichten Tag aus nächster Nähe erschossen haben soll. Zeugen sprachen von einer Art Hinrichtung. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft wurde die Tat im Auftrag staatlicher russischer Stellen verübt. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland stark.
Der mutmaßliche Mörder wurde kurz nach der Tat gefasst und sitzt in Untersuchungshaft. Er soll erst kurz zuvor mit Alias-Namen nach Deutschland gekommen sein. Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses im Oktober über seinen Anwalt erklären lassen, er heiße Vadim S., sei 50 Jahre alt und Bauingenieur. Der Bundesanwaltschaft zufolge ist er älter und hat einen anderen Namen. Der Angeklagte äußerte sich bislang nicht. Das Opfer hatte im Tschetschenien-Krieg gegen Russland gekämpft und galt dort nach Angaben der Anklage als Staatsfeind.
Nach Worten des Journalisten geht es bei seinen Recherchen oft um grenzüberschreitende Straftaten, bei denen kein Staat direkt die Verantwortung übernehme. Er sei oft bedroht worden und habe entsprechende Mails und Nachrichten bekommen. Der Zeuge sagte, der Hintergrund des Täters könne nicht ohne Beteiligung des russischen Staates erschaffen worden sein. In zwei Anträgen für ein Touristenvisum habe es verschiedene Angaben gegeben - wahrscheinlich, um eine Überprüfung zu vereiteln.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 16. Februar 2021 14:29 Uhr

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