Abgeschobene mutmaßliche IS-Anhängerin aus Berlin angeklagt

Abgeschobene mutmaßliche IS-Anhängerin aus Berlin angeklagt

Eine aus der Türkei abgeschobene Deutsche ist von der Bundesanwaltschaft als mutmaßliche Anhängerin der Terrormiliz Islamischer Staat angeklagt worden. Die Frau aus Berlin soll Ende September oder Anfang Oktober 2014 nach Syrien ausgereist sein, um dort im damals von IS kontrollierten Gebiet zu leben, wie die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte. Dort heiratete sie laut Anwaltschaft einen tschetschenischen Terrorkämpfer und schloss sich der Organisation an. Im März 2015 soll sie per WhatsApp eine in Deutschland lebende Bekannte zum «Dschihad» (Heiliger Krieg) aufgefordert haben.

Eine Statue der Justitia

© dpa

Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand.

Nach dem Tod ihres Mannes 2015 heiratete die nun angeklagte Frau den Angaben nach einen aus Deutschland stammenden IS-Kämpfer, Ende 2016 brachte sie ein gemeinsames Kind zur Welt. Auch ihr zweiter Ehemann starb, er kam laut Anwaltschaft in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 ums Leben.
Die Bundesanwaltschaft wirft der Frau vor, ihren Ehemännern den Haushalt geführt und ihnen so als Kämpfer den Rücken frei gehalten zu haben. Sie wurde Anfang 2019 von den kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) aufgegriffen, lebte danach in einem Flüchtlingslager in Nordsyrien und flüchtete Anfang 2020 in die Türkei. Von dort aus wurde sie mit einer zweiten mutmaßlichen IS-Anhängerin aus Hamburg und insgesamt vier Kindern abgeschoben.
Angeklagt ist die Frau, die seit Mai in Untersuchungshaft sitzt, unter anderem wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie soll auch ein Sturmgewehr besessen haben - es sei ihr «Hochzeitswunsch» an einen der beiden Ehemänner gewesen, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 20. August 2020 10:39 Uhr

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