Anwalt brachte inhaftiertem Mandanten Betäubungsmittel

Anwalt brachte inhaftiertem Mandanten Betäubungsmittel

Ein Rechtsanwalt, der Betäubungsmittel in ein Berliner Gefängnis gebracht und seinem damaligen Mandanten übergeben hatte, ist zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 42-Jährige habe sich der versuchten unerlaubten Abgabe von Arzneimitteln sowie der fahrlässigen Abgabe von Betäubungsmitteln schuldig gemacht, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Freitag. Der Jurist hatte zuvor erklärt, er sei davon ausgegangen, dass es sich bei den Tabletten um ein Mittel gegen die massiven Schmerzen des Mannes handelte. Er habe sich überreden lassen und bereue sein Verhalten, so der Angeklagte.

Amtsgericht Tiergarten

© dpa

Der Eingang vom Amtsgericht Tiergarten mit Schriftzug des Gerichts und dem Berliner Wappen.

Der Angeklagte hatte im Februar 2019 laut Ermittlungen 129 Tabletten des Drogenersatzstoffes Subutex dabei, als er seinen Mandanten in der Justizvollzugsanstalt Moabit besuchte. Die Tabletten seien in Folie verpackt gewesen, so der Angeklagte. Sein Mandant habe sich in einem «verheerenden» Zustand befunden und über erhebliche Schmerzen geklagt. «Ich bereue sehr, nicht standhaft geblieben zu sein», so der Anwalt. Die Tabletten habe er kurz zuvor auf dem Weg zum Gefängnis von einer Person aus dem Umfeld des damaligen Mandanten erhalten.
Unmittelbar nach dem Besuch seines damaligen Verteidigers war bei dem Empfänger der Tabletten eine routinemäßige Kontrolle durchgeführt worden. Die körperliche Kontrolle habe zum Auffinden eines Handys sowie von zwei Tüten mit Tabletten geführt, hieß es in der Anklage. Das synthetische Opioid Subutex wird ähnlich wie Methadon in der Drogenersatztherapie eingesetzt.
Das Urteil gegen den Rechtsanwalt erging auf Antrag des Staatsanwalts per Strafbefehl, weil wichtige Zeugen nicht zum Prozess erschienen waren. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 14. August 2020 14:38 Uhr

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