Mutter und Kind in Kreuzberg angefahren: Prozess wird neu aufgerollt

Mutter und Kind in Kreuzberg angefahren: Prozess wird neu aufgerollt

Eine Mutter und ihr damals fünfjähriges Kind waren auf dem Weg zur Kita, als sie in Kreuzberg von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt wurden. Rund drei Jahre später ist der Fall am Landgericht neu aufgerollt worden.

Justitia

© dpa

Eine Figur der Justitia mit Augenbinde.

Der Angeklagte, der auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle gerast sein soll, war im ersten Prozess unter anderem wegen zweifachen versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Diese Entscheidung hatte der Bundesgerichtshof (BGH) auf Revision des Angeklagten aufgehoben. Der 35-Jährige schwieg am Freitag zu Beginn des neuen Prozesses.

Angeklagter war auf der Flucht vor Polizeikontrolle

Der aus Serbien stammende Angeklagte soll am 21. September 2017 ohne Führerschein, alkoholisiert und mit stark überhöhter Geschwindigkeit gefahren sein. Gegen 8.00 Uhr habe er an der Oranienstraße Mutter und Tochter erfasst, die die Fahrbahn bei für Fußgänger grüner Ampel überqueren wollten, heißt es in der Anklage. «Sie wurden auf die Motorhaube und dann bis zu 15 Meter durch die Luft geschleudert.» Kurz vor dem Unfall sollen Polizisten den Angeklagten angesprochen haben. Es habe sich um eine Routinekontrolle wegen des Verdachts auf Alkohol am Steuer gehandelt, sagte ein Beamter im ersten Prozess. Der Angeklagte aber sei «mit Vollgas» davongerast. Kurz darauf sei es zum Unfall gekommen. Der Mann sei danach weiter geflohen, so die Anklage.

Neuer Prozess wegen lückenhafter Feststellungen

Der Verteidiger des vorbestraften Angeklagten hatte im ersten Prozess eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung gefordert. Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft in der rechtlichen Bewertung, ging aber über die geforderte Strafe von elfeinhalb Jahren hinaus. Der Bundesgerichtshof entschied im Oktober 2019 unter anderem, dass ein im ersten Urteil angenommener bedingter Tötungsvorsatz, der zum Schuldspruch wegen versuchten Mordes führte, nicht ausreichend begründet sei. Feststellungen seien zum Teil lückenhaft, so der BGH. Der neue Prozess wird am 19. August fortgesetzt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 14. August 2020 13:35 Uhr

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