Nach tödlicher Messerattacke: Neuer Prozess wegen Falschaussage

Nach tödlicher Messerattacke: Neuer Prozess wegen Falschaussage

Weil ein Zeuge in einem Prozess um eine tödliche Messerattacke auf einen Mann falsch ausgesagt hatte, steht der Angeklagte trotz eines rechtskräftigen Freispruchs vor knapp vier Jahren erneut vor dem Berliner Landgericht.

Kriminalgericht Moabit

© dpa

Der Eingang des Kriminalgerichts Moabit.

Der 33-Jährige schwieg zu Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens am Freitag (19. Juni 2020) zu den Vorwürfen. Er soll einen 52 Jahre alten Mann bei einem Trinkgelage im Dezember 2015 in einer Wohnung in Lichtenberg umgebracht haben. Die Anklage lautet auf Totschlag.

33-jähriger Täter war im August 2016 freigesprochen worden

Es handelt sich nach Justizangaben um einen der seltenen Fälle, in denen eine Wiederaufnahme zuungunsten des Freigesprochenen zulässig sei. Der 33-Jährige war im August 2016 nach einmonatigem Prozess vor dem Landgericht freigesprochen worden. Ein Bekannter habe damals allerdings für den Angeklagten gelogen, befand später ein Berliner Amtsgericht. Gegen den Zeugen erging wegen falscher uneidlicher Aussage sowie Strafvereitelung eine Bewährungsstrafe, die rechtskräftig wurde. Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft mit Erfolg eine Wiederaufnahme des Totschlagsverfahrens, weil die Angaben des Zeugen zumindest zum Freispruch beigetragen haben könnten.

Angeklagter derzeit wegen anderer Straftat in Haft

Der deutsche Angeklagte soll den 52-jährigen Zechkumpan im Badezimmer einer Wohnung eines weiteren Bekannten angegriffen haben. Mit einem längeren Messer habe er dem Opfer zahlreiche Stiche und Schnitte im Bereich des Kopfes und Halses zugefügt. Der 52-Jährige sei verblutet. Derzeit verbüßt der 33-Jährige eine im August 2018 verhängte Strafe von knapp vier Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Er hatte einen Mann im Februar 2018 bei einem Zechgelage im Stadtteil Hohenschönhausen geschlagen und durch Tritte gegen den Kopf erheblich verletzt. Für den jetzigen Prozess sind acht weitere Verhandlungstage bis zum 12. August vorgesehen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 19. Juni 2020 16:39 Uhr

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