Prozess um Kindesmissbrauch in Verein: Angeklagter schweigt

Prozess um Kindesmissbrauch in Verein: Angeklagter schweigt

Ein Berliner Judotrainer soll über Jahre das Vertrauen ihm anvertrauter Jungen ausgenutzt und sie sexuell missbraucht haben.

Justitia

© dpa

Am Dienstag (21. April 2020) begann am Berliner Landgericht der Prozess gegen den 42 Jahre alten Rechtsanwalt. Ihm wird der Missbrauch von sieben Kindern und Jugendlichen zwischen 2006 bis 2018 in 32 Fällen zur Last gelegt. Zum Auftakt schwieg der Angeklagte, der mit Mundschutz in einer Glaskabine saß.
Die Minderjährigen hätten ihren Trainer als Vaterfigur gesehen, dieser habe ihre persönliche Abhängigkeit bewusst ausgenutzt, heißt es in der Anklage. Die Jungen hätten wiederholten Missbrauch über sich ergehen lassen müssen. Einige habe der Angeklagte zu seiner sexuellen Befriedigung auch geschlagen. Dabei habe er als Vorwand schlechte sportliche oder schulische Leistungen genannt. Der Angeklagte habe bei Widerstand oder Verweigerung den Rausschmiss aus dem Tegeler Sportverein angedroht.
Zu dem Missbrauch kam es laut Anklage auf Sportfahrten im Ausland, im Ferienhaus des Angeklagten in Schweden, in einer Sporthalle, auf Toiletten und der Berliner Wohnung des Angeklagten, der den Judoverein nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft gegründet hatte.
Im November 2019 wurde der Verdächtige festgenommen, nach einer Haftbeschwerde kam er aber wieder frei. Seit Anfang April sitzt der Anwalt nach einem neu gefassten Haftbefehl wieder in U-Haft. Zwei Anklagen wurden nun zusammengefasst, in einer ersten Anklage waren ihm 23 Fälle zur Last gelegt worden.
In der Vorwoche begann bereits ein Prozess um Kindesmissbrauch in einem anderen Berliner Sportverein. Einem 50-jährigen Jugendwart in einem Angelverein wird 354-facher sexueller Missbrauch Minderjähriger zwischen Sommer 2012 und Oktober 2019 zur Last gelegt. Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 21. April 2020 13:19 Uhr

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