Mit falschen Rezepten Apotheken betrogen: Geständnisse

Mit falschen Rezepten Apotheken betrogen: Geständnisse

Verkleidet mit Perücke, Brille, gepflasterten Fingern und ausgestattet mit gefälschten Rezepten haben drei Brandenburger deutschlandweit über längere Zeit Apotheken betrogen.

Das Amtsgericht in Nordhausen

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Mit einer ausführlichen Schilderung ihrer Betrugsmasche legten ein angeklagtes Apothekerpaar und Mitarbeiterin, die zugleich die Geliebte des Mannes war, am Donnerstag (24. Oktober 2019) zum Prozessauftakt vor dem Amtsgericht Nordhausen Geständnisse ab.
Dem Trio wird vorgeworfen, zwischen 2015 und 2019 mit gestohlenen Patientendaten Rezepte für teure Medikamente ausgestellt zu haben. Diese sollen sie dann in Apotheken eingelöst haben. Die so erhaltenen Arzneimittel sollen sie dann wiederum in ihren eigenen Apotheken im brandenburgischen Königs Wusterhausen ausgegeben haben. Der Schaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf mehr als 80 000 Euro. Die Rezepte wurden bundesweit in 45 Apotheken, darunter 36 in Thüringen, eingelöst.
Der 58 Jahre alte Hauptangeklagte erklärte vor Gericht, er und seine 61 Jahre alte Ehefrau hätten aus Angst vor dem finanziellen Abstieg nach einer zusätzlichen Einnahmequelle gesucht. Nach der Neueröffnung ihrer beiden Apotheken seien die Eheleuten mit mehr als 200 000 Euro verschuldet gewesen, erklärte der Mann. Um an Geld zu kommen, ging das Trio nach eigenen Angaben arbeitsteilig vor.
Auf manipulierten Blankorezepten seien gestohlene oder fiktive Patientendaten eingetragen und mit einem Arztstempel versehen worden. Die so ergaunerten hochpreisigen Medikamente gegen Diabetes, Bluthochdruck oder Immunschwäche wurden nach Aussagen der Angeklagten später an Kunden mit passendem Rezept ausgegeben. Damit der Betrug von den Krankenkassen nicht bemerkt werde, sei das dort eingereichte Rezept ebenfalls manipuliert worden.
Die mitangeklagte Mitarbeiterin organisierte nach eigenen Angaben bis zu zwei Beschaffungsfahrten im Monat. Ziel seien Apotheken entlang der Autobahn und in größeren Städten gewesen, sagte die 32-Jährige. Aus Liebe zum angeklagten Apotheker will sie geeignete Apotheken herausgesucht und die Medikamente telefonisch vorbestellt haben. Dann sei sie mit Perücke verkleidet in der jeweiligen Stadt in die Apotheke gegangen. Um keine Spuren zu hinterlassen, habe sie zudem ihre Hände mit Pflaster abgeklebt. Von ihrem Chef, mit dem sie bis zur Verhaftung ein längeres Verhältnis hatte, habe sie ständig neue Handys zur Verschleierung der Taten bekommen.
Die Ehefrau bewahrte die Medikamente nach ihren eigenen Worten in einer der Apotheken in Königs Wusterhausen in einem Sonderlager auf und kümmerte sich um den Vertrieb der erschwindelten Arznei.
Vor vier Jahren hat es auch aus Nordthüringen vermehrt Hinweise auf gefälschte Rezepte gegeben, erklärte Oberstaatsanwalt Gert Störmer. Ein Teil der Patientendaten sollen zum Beispiel aus einer Physiotherapiepraxis im Südharz stammen. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen habe sich dann für zuständig erklärt und die telefonische Überwachung der Tatverdächtigen begonnen. Sie wirft dem Trio 45 Fälle des gemeinschaftlich gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung vor.
Im Mai 2019 wurden dann mehrere Apotheken und Wohnungen in Brandenburg, Berlin und Niedersachsen durchsucht. Das Ehepaar sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Nordhausen hat am Donnerstag ihren Antrag abgelehnt, den Haftbefehl aufzuheben. Der Prozess wird am 11. November fortgesetzt. Mit einem Urteil kann am 25. November gerechnet werden.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 25. Oktober 2019 08:18 Uhr

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