Reaktionen auf Anschlag: Wut, Trauer und Entschlossenheit in Berlin

Reaktionen auf Anschlag: Wut, Trauer und Entschlossenheit in Berlin

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle werden jüdische Einrichtungen in der Hauptstadt weiter mit erhöhtem Aufwand geschützt. «Diese Schutzmaßnahmen werden bis auf weiteres aufrecht erhalten - insbesondere auch mit Blick auf die noch anstehenden jüdischen Feiertage», sagte ein Sprecher der Innenverwaltung am 10. Oktober 2019. Die spürbare und sichtbare Präsenz von Sicherheitskräften gelte auch für Einrichtungen «jenseits von Synagogen».

  • Nach den Schüssen auf Synagoge in Halle (2)© dpa
    10.10.2019, Berlin: Blick auf die Neuen Synagoge. In Halle (Saale) wurden durch einen Angriff auf die dortige Jüdische Synagoge, zwei Menschen getötet.
  • Nach den Schüssen auf Synagoge in Halle (3)© dpa
  • Nach den Schüssen auf Synagoge in Halle© dpa
    10.10.2019, Berlin: Blumen liegen auf einer Mauer vor der Neuen Synagoge. In Halle (Saale) wurden durch einen Angriff auf die dortige Jüdische Synagoge, zwei Menschen getötet.
Innensenator Andreas Geisel (SPD), der am Mittwochabend in Berlin bei der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße war, hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt: «Es geht nicht, dass Juden an ihren Feiertagen in Angst zu ihren Synagogen gehen müssen.» Die jüdische Gemeinde in Halle habe einen schrecklichen Angriff erlebt. Die jüdische Gemeinde zu Berlin brauche ein Zeichen der Solidarität. Davon wurden am Donnerstag viele in der Hauptstadt gesetzt. Auch Forderungen wurden laut.

Jüdische Gemeinde zu Berlin:

Der Vorsitzende Gideon Joffe forderte die Gesellschaft zu einem dauerhaften Zeichen der Solidarität auf. «Deutschland trägt Davidstern» - eine solche Aktion, bei der möglichst viele Bürger das Symbol des Judentums tagtäglich offen an einer Kette tragen, wäre ein deutliches Signal gegen den Antisemitismus, sagte Joffe der dpa. Der Davidstern sei aus der Öffentlichkeit verschwunden, weil viele Angst vor Angriffen hätten.

Berliner Abgeordnetenhaus:

Präsident Ralf Wieland erklärte, mehr denn je gelte: «Wir müssen zusammenhalten und zeigen, dass wir eine emotional wache Gesellschaft sind, in der wir uns gegenseitig schützen.» Es gebe keinen Platz für Hass.

Regierende Bürgermeister von Berlin:

Michael Müller (SPD) und der Senat stehen in engem Kontakt mit der Jüdischen Gemeinde, wie Senatssprecherin Claudia Sünder mitteilte. Der Ansprechpartner des Landes Berlin für Antisemitismus, Lorenz Korgel, sagte, er sehe es als Aufgabe, auch in der Präventionsarbeit auf Welterklärungsmodelle aus Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus zu reagieren.

Türkische Gemeinde in Deutschland:

Die Einzeltätertheorie sei ein Versuch, diese Tat, «diesen Akt des Terrors», zu relativieren, so der Vorsitzende Gökay Sofuoğlu. «Wir müssen die Gründe für diesen Anschlag beim Namen nennen: Antisemitismus und Rassismus. Beide sind eingebettet in unsere gesellschaftlichen Diskurse und Strukturen.»

Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz:

Bischof Markus Dröge betonte in einem Brief an den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die Solidarität der evangelischen Landeskirche mit den jüdischen Gemeinden. Es sei eine neue Qualität der Gewalt, dass ein Attentäter bei Tageslicht vermummt durch die Stadt fährt und Menschen tötet. Seine Kirche werde sich weiter dafür einsetzen, dass Rechtsextremismus, Antisemitismus und der Menschenverachtung mit allen Kräften gewehrt werde, so Dröge.

Zentralkomitee der deutschen Katholiken:

Weit verbreitete Verschwörungsfantasien und gemeinsam geteilter Hass gegen «die Juden» im Netz und im Alltag bildeten den Nährboden für diese menschenverachtende Gewalt, erklären die Leiter des dortigen Gesprächskreises «Juden und Christen», Dagmar Mensink und Rabbiner Andreas Nachama. «Gegen Judenhass muss noch viel konsequenter vorgegangen werden als bisher.» In der katholischen Kirche müsse jeder dazu beitragen, dass Juden und Jüdinnen in Deutschland sicher und ohne Angst leben können.

Berliner CDU-Fraktion:

Angesichts einer steigenden Bedrohungslage müssten Polizei und Verfassungsschutz hier gestärkt werden, forderte Fraktionschef Burkard Dregger. Eine Reform für mehr Befugnisse der Polizei komme bislang nicht voran. Das Landeskonzept gegen Antisemitismus müsse entschiedener umgesetzt werden, sagte die Abgeordnete Cornelia Seibeld.

AFD-Fraktion:

«Jeder Antisemitismus - rechter, linker und muslimischer - muss endlich konsequent geächtet und Taten müssen hart bestraft werden», so Fraktionschef Georg Pazderski.

Mahnwache in der Neuen Synagoge am Donnerstag

Die Polizei sichert derzeit Mahnwachen. Am Donnerstagabend (10. Oktober 2019 um 18.30 Uhr) wollten Menschen vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Auch am Freitag (17.30 Uhr) war am selben Ort eine Kundgebung geplant.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 10. Oktober 2019 16:37 Uhr

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