Mord an Berlinerin vor 32 Jahren: Lebenslange Haft verhängt

Mord an Berlinerin vor 32 Jahren: Lebenslange Haft verhängt

Eine junge Mutter wird in ihrer Wohnung ermordet - vor den Augen ihres kleinen Sohnes. Die Ermittlungen brachten lange nichts. Bis neue Methoden bei DNA-Analysen zu einem Verdächtigen führten. Nun fiel das Urteil.

Richterhammer aus Holz

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32 Jahre nach der Tötung einer jungen Mutter in Neukölln hat eine am Kleid der Frau gesicherte DNA-Spur zu einem Schuldspruch wegen Mordes geführt. Gegen den 61 Jahre alten Angeklagten verhängte das Landgericht am Dienstag eine lebenslange Freiheitsstrafe. Er habe die 30 Jahre alte Frau in ihrer Wohnung getötet, «weil er es nicht einsah, den Sex nicht mehr unentgeltlich zu bekommen», begründete der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe damit aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Der 61-Jährige hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.
Die 30-Jährige war am 18. September 1987 vor den Augen ihres zwei Jahre und acht Monate alten Sohnes getötet worden. Laut Anklage wurde die Frau gewürgt und mit einem Pullover stranguliert. Anschließend habe der Täter mit einem Messer mehrmals in ihren Hals gestochen. Als der vier Jahre ältere Bruder aus der Schule kam, habe er die getötete Mutter entdeckt.
Die Ermittlungen der Polizei in dem Fall brachten lange nichts. Anfang 1991 waren sie den Angaben zufolge schließlich eingestellt worden. Im Jahr 2015 seien dann am Tatort sichergestellte Spuren mit neuen Methoden überprüft worden. Eine am Hauskleid des Opfers gesicherte DNA-Spur habe 2018 zu dem Angeklagten geführt. Nach Gewalttaten in den 1980er Jahren sei der genetische Fingerabdruck des Mannes in der Zentralen Datenbank des Bundeskriminalamtes gespeichert gewesen.
Der damals 29-Jährige habe die Frau über eine Annonce kennengelernt, hieß es weiter im Urteil. «Es war eine sexuelle Beziehung.» Als der Angeklagte am Tattag bei der Frau war, habe sie aber Sex ohne Geld abgelehnt. Der Angeklagte sei «extrem verärgert» gewesen. Es sei zu einem Gewaltausbruch gekommen, «der zur damaligen Persönlichkeit des Angeklagten passte». Zeugen hätten in dem viermonatigen Prozess geschildert, dass der Mann «böse und unbeherrscht» reagiert habe, wenn es nicht nach seinem Willen gegangen sei. 
Der 61-Jährige hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, er sei am Tattag bei einem Kumpel gewesen, um dessen Geburtstag zu feiern. Mit der Getöteten habe es lediglich ein «Techtelmechtel mit Küssen und nicht mehr» gegeben. Der Verteidiger, der auf Freispruch plädiert hatte, kündigte bereits Revision an. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf einen Schuldspruch wegen Mordes plädiert. 
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 17. September 2019 16:04 Uhr

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