Obdachlosenhilfe: «Die machen das mit Herzblut»

Obdachlosenhilfe: «Die machen das mit Herzblut»

Mit den eisigen Temperaturen steigt der Bedarf an Hilfen für Obdachlose. Die Kältebusse der Berliner Stadtmission sowie der DRK-Wärmebus waren über die Weihnachtstage verstärkt gefragt. Alleine in der Nacht zum Montag habe es 144 Anrufe beim Kältebus gegeben, berichtete Stadtmissionssprecherin Barbara Breuer. Auch die Unterkunft in der Lehrter Straße sei mit bis zu 50 Gästen ungewöhnlich stark ausgelastet gewesen. «Wir haben Heiligabend die maximale Besucherzahl von 200 Menschen erreicht», schilderte Björn Schwarz vom «Hofbräu». Sein Lokal in der Nähe des Alexanderplatzes dient erneut als Tagestreff für Obdachlose.

Seit dem 15. Dezember steht die zweite Etage des Hofbräuhauses wohnungslosen Menschen wochentags von 10.00 bis 16.00 Uhr offen. Die ersten Gäste stehen meist bereits eine halbe Stunde vor der Öffnung an. In der zweiten Etage erwartet sie eine rustikale Atmosphäre mit Holztischen und -bänken. Deftiges warmes Essen steht auf den Tischen. Es ist dasselbe, das auch zahlende Gäste im Erdgeschoss bekommen.
«Das Team hier ist einfach super», sagt Janet (44). «Die machen das mit Herzblut», ergänzt ihr Freund Patric. Der 41-Jährige, der nach eigenen Angaben seit knapp 20 Jahren auf der Straße lebt, kommt regelmäßig. Seine Freundin schätzt als Frau vor allem auch die sanitären Anlagen. Ein paar Tische weiter sitzen Armin (54) und Ronny (49) und spielen Schach. Die beiden kommen ursprünglich aus Süddeutschland beziehungsweise Frankfurt/Main, wie sie sagen.
«Hier in Berlin wird sozial viel gemacht», so Armin im Gespräch mit Berlins neue Sozialsenatorin Katja Kipping. Die Linke-Politikerin hat am Montag die Einrichtung besucht, die von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales finanziert wird. 467.000 Euro sollen dafür bis Ende März ausgegeben werden. «Eine klassische Win-Win-Situation», meinte die Senatorin zu Geschäftsführer Schwarz.
Sein Team hatte im vergangenen Winter gemeinsam mit einem sozialen Träger das Konzept für die Obdachlosenbetreuung erarbeitet, um während der Corona-Pandemie die Räume des zweistöckigen Lokals sinnvoll zu nutzen und Einnahmen zu generieren. An die positiven Erfahrungen während des Lockdowns knüpfen die Verantwortlichen nun an. 14 Mitarbeitende des insgesamt 80-köpfigen Teams seien dafür im Einsatz. «Uns hilft das Projekt, Kurzarbeit möglicherweise zu vermeiden», sagte Schwarz.
Ziel sei eine «Kompaktversorgung» an einem Ort, schilderte die Leiterin des Tagestreffs, Natalija Miletic. Neben einem warmen Essen und der Möglichkeit, einige Stunden in der Wärme zur Ruhe zu kommen, gibt es eine Kleiderkammer. «Die Spendenbereitschaft umliegender Firmen ist enorm», schilderte Schwarz. Vier Sozialarbeiter und ebensoviele ehrenamtliche Helfer stehen aber auch für Gespräche zu Verfügung und versuchen, Obdachlosen langfristige Hilfen und Unterkünfte zu vermitteln.
Einen Schwerpunkt der aktuellen Kältehilfe bilden naturgemäß Corona-Schutzmaßnahmen. Zertifizierte Schnelltests sollen in diesen Tagen in der Einrichtung ermöglicht werden. Rund 44.000 Euro stellt die Senatssozialverwaltung dafür bis Ende März dafür zur Verfügung, wie Sprecher Stephan Strauß sagte. «Entsprechende Maßnahmen und Nachweise darüber sind beispielsweise hilfreich für unsere Gäste, wenn sie sich in Shopping Malls oder Bahnhöfen aufwärmen wollen», erklärte Tagestreff-Leiterin Miletic.
Ab 7. Januar soll dann auch in der Einrichtung geimpft werden, kündigte Senatorin Kipping an. Entsprechende Angebote gibt es auch bereits in anderen Unterkünften oder bei mobilen Aktionen. Für Verdachtsfälle beziehungsweise bestätigte Fälle gibt es Isolier- und Quarantäneplätze sowie einen Infektionsschutz-Transport mit der nötigen Schutzbekleidung für alle Insassen.
Seit Beginn der Corona-Pandemie hat Berlin laut Senatssozialverwaltung rund 12,7 Millionen Euro zusätzlich für die Obdachlosenhilfe ausgegeben. Der überwiegende Teil des Geldes floss demnach in neuartige Unterkünfte, die rund um die Uhr offen sind.
Derzeit stehen durchschnittlich knapp 1115 Notübernachtungsplätze in der Hauptstadt zur Verfügung, wie aus der wöchentlichen Erhebung der Sozialverwaltung hervorgeht (Stand 50. Kalenderwoche). Davon wurden mit knapp 980 Plätze belegt. In Berlin leben nach einer ersten Zählung im Januar 2020 rund 2000 Obdachlose - wobei sich nicht alle zählen ließen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 27. Dezember 2021 17:00 Uhr

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