Gesundheitsamt: Impffortschritt regelt Belastung für System

Gesundheitsamt: Impffortschritt regelt Belastung für System

Ohne mehr Impfungen in der Corona-Pandemie sehen Experten das Gesundheitssystem in seiner Funktion gefährdet. «Ob unser Gesundheitssystem dem Belastungsdruck in der vierten Welle standhält, hängt wesentlich von unseren Impffortschritten ab», heißt es in einer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegenden Analyse von Nicolai Savaskan, Leiter des Gesundheitsamts Neukölln, und Ute Viereck vom Rechtsamt der Einrichtung. «Das flächendeckende Testen ergänzt unser Arsenal gegen Corona», schreiben sie. «Impfen und die präzise zielgruppenspezifische Kommunikation sind unsere effektivsten Waffen gegen das Virus.»

Impfung

© dpa

Eine Impfspritze liegt in einer medizinischen Schale.

Savaskan ist auch Vorstandsmitglied des Berlin-Brandenburger Verbandes der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst.
Die Gesundheitsfachleute kritisieren Entscheidungen in der Pandemie. «Die vorübergehende Abschaffung der kostenfreien Bürgertests hat, neben der niedrigen Impfquote bei Erwachsenen, zu den heutigen Infektionszahlen beigetragen», heißt es in dem Papier. Tests seien wichtig, «weil durch das Erkennen Infizierter Folgeinfektionen frühzeitiger verhindert werden können». Beeinflusst werde auch das Sozialverhalten. «Sie geben den Menschen ein ganz wichtiges Werkzeug an die Hand: Sie können durch Tests ihre Gefährdungslage selbst messen.»
Menschen ohne Impfschutz seien «die aktuellen Treiber der Pandemie». Es gebe einen «zu hohen Anteil an Ungeimpften, die sich potenziell und aktuell leicht und unerkannt anstecken». Damit gebe es viele Infizierte, die nicht geimpft seien. «Und das kann zur Gefahr auch für Geimpfte werden.» Der Wert der Impfung dürfe nicht kleingeredet werden. Öffentliche Verwaltung, Politik und Wissenschaft müssten in der Aufklärung besser werden, «damit gar nicht erst Raum für Fehlinterpretationen und Missverständnisse entsteht».
«Wir müssen dringend Impflücken schließen und jene boostern, die am raschesten ihren Immunschutz verlieren: Menschen ab 60 Jahre», schreiben Savaskan und Viereck. «Die Impfung ist der Game Changer in der Pandemie.» Auffällig seien hohe Inzidenzen in Landkreisen mit niedriger Impfquote. In einigen bayerischen Landkreisen sei die Inzidenz bei Ungeimpften zehn Mal höher als die Inzidenz bei Geimpften.
«Impflücken schließen wir aber nicht, solange das Impfen vornehmlich als autoritärer Akt des Staates wahrgenommen wird.» Notwendig sei eine Kommunikation unter Einbindung von Experten und Expertinnen der Psychologie, Wirtschaftspsychologie, des Marketings und der Soziologie «gepaart mit Menschen aus den jeweiligen Lebensrealitäten mit Einblicken aus den Communities». Kampagnen etwa der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wirkten wie aus der Zeit gefallen. «Hier muss der Kommunikationsturbo in den Kommunen erst gezündet werden, wenn wir Impflücken merklich schließen wollen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 21. November 2021 08:42 Uhr

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