Ausstellung über Indianer-Filme in Ost und West

Ausstellung über Indianer-Filme in Ost und West

Im Fernsehen westlich der Mauer war Pierre Brice der Star der Prärie, im DDR-Fernsehen Gojko Mitić. Eine Schau in der Rostocker Kunsthalle widmet sich nun den DEFA-Indianer-Filmen der DDR und den Karl-May-Filmen der BRD der 60er, 70er und frühen 80er Jahre. Die Ausstellung «OST/WESTERN - Kino, Kult und Klassenfeind» wurde am Samstag eröffnet - und Gojko Mitić war mit dabei.

Eröffnung der Ausstellung «OST/WESTERN»

© dpa

Der Schauspieler Gojko Mitic steht bei der Eröffnung der Ausstellung in der Kunsthalle Rostock.

Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann sagte über die Schau mit 180 Objekten: «Wir wollen das Thema für die Besucher von vielen Seiten erlebbar machen.» Der 81-jährige Mitić sagte zur Eröffnung, die DEFA-Filme seien näher dran an der realen Geschichte. Dabei sei es vor allem um die Darstellung des Schicksals der Ureinwohner Amerikas gegangen.
«Das, was wir Europäer denen angetan haben, kann kein Mensch wieder gutmachen. Das haben wir gezeigt», sagte Mitić. Er habe Häuptlinge gespielt, die wirklich gelebt haben. In den DEFA-Filmen sei versucht worden, bei der Kostümierung, den Requisiten oder Gegenständen, die die Indianer genutzt haben, die historische Realität darzustellen.
Neumann sagte, dass es Ähnlichkeiten, aber auch klare systembedingte Unterschiede gebe, die in den Filmen mit den Hauptdarstellern Gojko Mitić und dem 2015 gestorbenen Pierre Brice transportiert wurden. «Ohne, dass man die Filme je gesehen hat, kann man die Herangehensweise bei den Themen «die Guten», «die Bösen» oder «die Frauen» studieren», sagte Neumann. «Das ist so noch nie gemacht worden.»
Laut Neumann ist Mitić in den Rollen «Chingachgook» und «Tecumseh» Menschen der DDR bis heute ein Begriff. Pierre Brice, der Star des westdeutschen «Indianer»-Films schlechthin, spielte fast zeitgleich in elf Karl-May-Verfilmungen der BRD ebenso erfolgreich die Rolle des Winnetou. In der Ausstellung werden die Einflüsse dieser beiden Filmreihen auf die Gesellschaft, ihre Alltagskultur und die Kunst- und Kulturszene der 60er Jahre bis heute deutlich gemacht.
Seine Karriere als Defa-«Chefindianer» begann Mitić 1965. In «Die Söhne der großen Bärin» schlüpfte er in die Rolle des Indianers Tokei-ihto. Mehr als neun Millionen Besucher strömten in die Kinos. Mitić kämpfte danach als Chingachgook gegen die Siedler - in «Chingachgook, die große Schlange». 1992 bekam er die Rolle als Winnetou in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) angeboten und trat dort in die Fußstapfen von Pierre Brice. Mehr als 1000 Mal stand er damit auf dieser Bühne.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 20. Juni 2021 10:12 Uhr

Weitere Meldungen