Kneipe «Meuterei» in Kreuzberg geräumt

Kneipe «Meuterei» in Kreuzberg geräumt

Am Ende ging alles ganz schnell. Die Berliner Polizei hatte die Umgebung der linken Kneipe «Meuterei» in Kreuzberg gesperrt. Hinter den rot-weißen Gittern an den Kreuzungen protestierten am frühen Donnerstagmorgen (25. März 2021) Hunderte vorwiegend junge Demonstranten.

Linke Szenekneipe in Kreuzberg geräumt

© dpa

Demonstranten, die gegen die Räumung der Szene-Kneipe «Meuterei» in der Reichenberger Straße protestieren, gehen am Kottbusser Tor über eine Straße.

Gegen 8.00 Uhr traf die Gerichtsvollzieherin ein. Um 8.15 Uhr brach die Polizei den Hintereingang auf und öffnete auch die Tür zur Straße. Polizisten führten zwei Frauen aus der Kneipe, deren Mietvertrag ausgelaufen war. «Die Räumung des Objektes ist plangemäß verlaufen», sagte Polizeisprecherin Anja Dierschke. Der ganze Morgen sei «störungsfrei» gewesen. Insgesamt 1100 Polizisten waren für Absperrungen und die Begleitung von Demonstrationen im Einsatz.
Die Nacht zum Donnerstag verlief weniger friedlich. Seit Wochen hatten linke Gruppen zu Widerstand und Demonstrationen gegen die angekündigte Räumung aufgerufen. Die «Meuterei» galt als eines der Symbole für die Verdrängung alternativer Orte. Auf Plakaten und im Internet hieß es in den vergangenen Tagen: «Dezentralisiert auch. Aktionen in der ganzen Stadt ab spätestens 6 Uhr.»
Ab 1.00 Uhr wurden an vier Orten insgesamt acht teure Autos angezündet, an der Hauswand eines Ordnungsamtes brannten Reifen. In der Nähe eines Brandes in Mitte nahm die Polizei zwei Frauen und einen Mann fest, als sie eine Wand mit politischen Parolen besprühten. Ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Räumung, den Brandanschlägen und den Sprühern will die Polizei untersuchen.
Mehrere kleinere Demonstrationen mit insgesamt einigen hundert Teilnehmern zogen ab 6.00 Uhr aus Neukölln und Kreuzberg zur Reichenberger Straße, dem Ort der Räumung. Unter den Demonstranten waren auch viele Linksautonome zu sehen, vereinzelt wurden Böller, Nebeltöpfe und Feuerwerkskörper gezündet. Am Kottbusser Tor hätten 15 bis 20 Menschen versucht, ein Transparent auf der Straße auszurollen, so die Polizei. Dies sei gestoppt worden.
Viele Demonstranten trugen Corona-Schutzmasken. Sie waren schwarz gekleidet und riefen Slogans wie «Kneipen denen, die drin saufen». Auf einem Transparent hieß es: «Die Zeichen stehen auf Sturm». Gegenüber der Kneipe schlugen einige Anwohner während der Räumung auf ihren Balkonen lautstark auf Töpfe.
Auf dem Dach eines Nachbarhauses der Kneipe standen Polizisten mit Kletterausrüstung. Unten trugen andere Polizisten Vorschlaghammer, Kettensäge, Stromkabel und weitere Geräte in den Hinterhof. Nach dem Aufbrechen der Türen nahm die Polizei die Personalien der beiden letzten Besetzerinnen auf und entließ sie.
An den Innenwänden der «Meuterei» standen Parolen wie «ACAB» (All cops are bastards») oder Erinnerungen an die Kneipe «Syndikat», die im Sommer 2020 geräumt wurde. Die Gerichtsvollzieherin und die Polizei wollten die Räume später dem Eigentümer übergeben.
In den nächsten Wochen wird mit weiteren Auseinandersetzungen um Symbole der linken und linksradikalen Szene gerechnet. Im April könnte die Auseinandersetzung um das umkämpfte Haus «Rigaer 94» in Friedrichshain eskalieren. Der Eigentümer will mit einem Brandschutz-Gutachter in den verbarrikadierten Gebäudekomplex und hat vor Gericht Recht bekommen. Wegen des Widerstandes der linksradikalen Szene wäre dafür voraussichtlich ein großer Polizeieinsatz nötig. Das beteiligte Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg verzögert diese Begehung, unterlag aber vor Gericht. Einen Termin für die Begehung gibt es noch nicht. Sollte er kurz vor dem 1. Mai mit der üblichen linksautonomen Demonstration in Kreuzberg liegen, könnte das für zusätzliches Eskalationspotenzial sorgen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 25. März 2021 13:06 Uhr

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