RKI-Chef Wieler «bedrückt»: Erst Dank, dann Molotowcocktails

RKI-Chef Wieler «bedrückt»: Erst Dank, dann Molotowcocktails

Die Corona-Pandemie hat aus Sicht des Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI) zu großer Solidarität, zunehmend aber auch zu bedenklichen Entwicklungen geführt.

Lothar Wieler

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Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts.

Noch zu Ostern habe sein Institut von einem Hotel 150 kleine Osterlämmer für die Mitarbeiter geschenkt bekommen, vor einigen Wochen seien dann Molotowcocktails gegen ein RKI-Gebäude geworfen worden, sagte Präsident Lothar Wieler am Dienstagabend (01. Dezember 2020) in einer Videoschalte bei einer Kongresseröffnung. «Das bedrückt mich sehr.» Das Institut mache ja die gleiche Arbeit wie zuvor. Prinzipiell sei er aber der Ansicht, dass die Gesellschaft Zusammenhalt und Stärke gezeigt habe, sagte Wieler auf eine Frage zu Veränderungen durch Corona. Nach dem Angriff auf das Gebäude Ende Oktober hatte der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Krise führte zur Erdung Vieler

Wieler sagte, seiner Ansicht nach habe die Krise auch zu einer Erdung vieler Menschen geführt, er hoffe auf nachlassenden «Konsumwahnsinn». «Ich hoffe, dass diese Krise uns den Blick geöffnet hat auch für nachhaltige Lösungen in der Klimaproblematik. Wenn wir sehen, was wir alles plötzlich möglich gemacht haben (...) unter dieser Herausforderung, dann weiß ich, dass wir auch andere Sachen wuppen können», sagte Wieler. Auch sein eigenes Leben sei eintönig geworden und von Videokonferenzen dominiert, obwohl er als Rheinländer das Feiern und soziale Kontakte liebe, berichtete der Mikrobiologe und Tiermediziner. Er sei aber vernunftgetrieben und halte durch.

«In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen, Idioten nach Schuldigen.»

Mit einer Rede bei der Eröffnung des 20. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) richtete sich Wieler an das Fachpublikum: «Wir haben schon viel geschafft. Bitte halten Sie weiter durch, bis im nächsten Jahr die Impfungen das Geschehen kontrollierbar machen.» Es bedrücke ihn, dass es in Deutschland nicht gelungen sei, «diese große Zahl von Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern zu verhindern». Er schloss mit einem Verweis auf Loriot, der einmal gesagt habe: «In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen, Idioten nach Schuldigen.»
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| Aktualisierung: Mittwoch, 2. Dezember 2020 08:13 Uhr

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