Demonstrationen in Berlin: Tausende Menschen auf den Straßen

Demonstrationen in Berlin: Tausende Menschen auf den Straßen

In der Hauptstadt haben am Wochenende mehrere Tausend Menschen für ihre Forderungen demonstriert. Die Polizei war mit Hunderten Beamten im Einsatz, um die Aufzüge zu verschiedenen Themen zu sichern. Der Autoverkehr war vorübergehend erheblich eingeschränkt.

Ein Kind hält ein Schild mit Aufschrift "Lasst die Leute rein"

© dpa

Ein Kind auf den Schultern einer Teilnehmerin einer Demonstration hält ein Schild mit der Aufschrift «Lasst die Leute rein».

Am Sonntagnachmittag ging ein breites Menschenrechtsbündnis für die Aufnahme von Flüchtlingen unter dem Motto «Es reicht! Wir haben Platz!» auf die Straße. Laut Polizei kamen deutlich mehr Menschen als die angemeldeten 3000. Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos forderten unter anderen Seebrücke Berlin, Europe Must Act und Pro Asyl die sofortige Evakuierung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln. Die Bundesregierung solle die Bereitschaft von Bundesländern und Kommunen zur Aufnahme von Flüchtlingen nicht länger blockieren, hieß es.
In dem Zug zum Großen Stern in Berlin-Mitte waren Plakate mit Slogans wie «Wir haben Platz!» und «Seehofer, sei ein Christ» zu sehen. Ein kleines Mädchen hielt die Forderung «Lasst die Leute rein» in die Höhe. Die Demonstration verlief laut Angaben störungsfrei.
Hingegen kam es bei einer Gegendemonstration zum sogenannten «Marsch für das Leben» am Samstag zu Rangeleien. 19 Demonstranten wurden festgenommen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Aus dem Zug der knapp 1 000 Gegendemonstranten wurde demnach immer wieder versucht, den parallel laufenden Aufzug von etwa 2 000 Abtreibungsgegnern am Brandenburger Tor zu stören. Die Gegendemonstranten wollten nach eigenen Angaben für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und bunte Lebensentwürfe eintreten.
Nach einer Festnahme wegen des Verdachts auf den Diebstahl eines Holzkreuzes hätten etwa 100 Gegendemonstranten versucht, die Person aus dem Polizeigewahrsam zu befreien, hieß es. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und nahmen Störer fest. Es wurden auch 15 Platzverweise erteilt. Es sei versucht worden, eine Absperrung zu durchbrechen. Fünf Frauen, die sich entblößt hatten, wurden überprüft.
Strafermittlungen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Tätlichen Angriffs, Landfriedensbruchs und versuchter Gefangenenbefreiung wurden eingeleitet. An dem Einsatz am Brandenburger Tor waren laut Polizei 950 Einsatzkräfte beteiligt.
Bei dem «Marsch für das Leben» hielten Abtreibungsgegner Luftballons und Holzkreuze in die Höhe. Auf einem der Schilder hieß es: «Keine Kinder - Keine Zukunft». Die Veranstalter sprachen von rund 3000 Teilnehmern, bei der Polizei angemeldet waren 5000.
Der Bundesverband Lebensrecht hatte zum Schutz menschlichen Lebens aufgerufen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, unterstützte laut Mitteilung des Verbandes «das ungebrochene Engagement zum Lebensschutz». Die Corona-Pandemie führe vor Augen, wie verwundbar und schutzbedürftig der Mensch sei.
Am Samstagabend verlief eine Demonstration linker Gruppen mit rund 850 Teilnehmern in Charlottenburg laut Polizei «weitestgehend störungsfrei». Die Teilnehmer, die eine Umverteilung des Vermögens in Deutschland von oben nach unten forderten, zogen vom Adenauerplatz über den Kurfürstendamm zum Wittenbergplatz. Polizisten nahmen drei Personen wegen Vermummung fest. Vereinzelt seien Feuerwerkskörper gezündet worden. Der Protest wurde von etwa 350 Polizistinnen und Polizisten begleitet.
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Das Aktionsbündnis «Wer hat, der gibt - Die Reichen müssen für die Krise zahlen» hatte zum Protest aufgerufen. An einem Protest in Hamburg beteiligten sich laut dortiger Polizei etwa 1100 Menschen.
Eine Vielzahl weiterer, kleinerer Demonstrationen wie etwa zum bedingungslosen Grundeinkommen oder zu mehr Radwegen seien störungsfrei verlaufen, sagte ein Sprecher.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 20. September 2020 16:31 Uhr

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