Senatskanzlei weist Kritik zurück: Berlins neue Kampagne

Senatskanzlei weist Kritik zurück: Berlins neue Kampagne

Die Berliner Senatskanzlei hat Kritik an der neuen Berliner Markenkampagne zurückgewiesen. Für Irritationen hat weniger der neue zentrale Slogan «Wir sind ein Berlin» gesorgt.

"Wir sind ein Berlin" ist an das Rote Rathaus projiziert

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"Wir sind ein Berlin" ist an das Rote Rathaus projiziert.

Es geht um die Formulierung «Vom Ich zum Wir», die in der Markenkampagne nicht prominent zu sehen ist, aber an einzelnen Stellen auf Senats-Websites auftaucht und manchen an DDR-Propaganda erinnert. Senatssprecherin Melanie Reinsch verteidigte die Wortwahl: «Daran können wir nichts Verwerfliches erkennen, so dass hier nichts geändert oder gestrichen werden muss», teilte sie am 18. September 2020 mit.
Der AfD-Abgeordnete Martin Trefzer hatte am Donnerstag den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) bei der Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus gefragt, ob der wisse, dass die Formulierung schon in der DDR Verwendung gefunden habe. Müller antwortete darauf, ihm sei der Zusammenhang nicht bekannt und bezeichnete ihn als «sehr weit hergeholt».
Der «Tagesspiegel» (Freitag) zitiert den Zeithistoriker Jens Schöne, stellvertretender Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beim Land Berlin: «Ich finde das im hohen Maße irritierend.» Schöne, der über Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR promoviert hat, erklärte, «Vom Ich zum Wir» sei eine «kommunistische Parole» gewesen, mit der die Zwangskollektivierung durchgesetzt worden sei. Dabei seien Zehntausende von Bauernbetrieben enteignet worden. «Mit Blick auf die Opfer und Folgen des Prozesses ist dieses Motto als neue Berliner Markenformel völlig ungeeignet.»
Das Satzfragment «Vom Ich zum Wir» sei ausdrücklich weder ein Slogan noch eine neue Markenformel, entgegnete Senatssprecherin Reinsch. Es sei nur in der Beschreibung der Kampagne in einigen Erklärungen verwendet worden. Motto der neuen Kampagne sei vielmehr «Wir sind ein Berlin».
«Es geht hier um die Stärkung des Wir-Gefühls, hin zu einer stärken Gemeinschaft», so die Sprecherin. «Dahinter steckt ein grundsolidarischer Gedanke, gerade mit Blick auf die letzten Monate der Corona-Pandemie», erklärte Reinsch. «Parallelen zur Vergesellschaftung sind deshalb nicht zu sehen, weil es sich bei diesem partizipativen Ansatz um einen zutiefst demokratischen Grundgedanken handelt.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 18. September 2020 16:40 Uhr

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