Aggressivität bei Corona-Demo am Alexanderplatz

Aggressivität bei Corona-Demo am Alexanderplatz

Die Polizei hat bei der Demonstration gegen Corona-Beschränkungen am Samstag, den 9. Mai 2020 am Alexanderplatz eine teils unschöne Stimmung unter den Demonstranten erlebt. «Leider haben wir mit Erschrecken eine teils große Aggressivität erlebt», sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag.

Polizisten setzen Pfefferspray gegen Demonstranten ein

© dpa

Polizisten setzen auf einer Demonstration auf dem Alexanderplatz Pfefferspray ein.

Etwa 1200 Menschen hatten sich laut Polizei bei der unangemeldeten Zusammenkunft versammelt. Die Behörde berichtete von Flaschenwürfen und Angriffen auf Einsatzkräfte. 86 Menschen wurden den Angaben nach festgenommen.

Gewalt gegen die Einsatzkräfte

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, schrieb auf Twitter, Flaschenwürfe auf Polizisten seien menschenverachtende Straftaten. Für sie gebe es keine Legitimation. Viele Teilnehmer skandierten unter anderem «Freiheit», «Widerstand», «Volksverräter» und «Wir alle sind das Volk». Einige bestiegen den Brunnen der Völkerfreundschaft. Immer wieder kam es zu Rangeleien mit Polizisten, begleitet von lauten Rufen umstehender Menschen. Zahlreiche Menschen hielten auf dem dicht gefüllten Alexanderplatz ihre Smartphones in die Luft und filmten die Szenen.
Polizeihunde verstärkten die Einsatzkräfte, die nach Beobachtungen eines dpa-Fotografen auch Pfefferspray einsetzten. Ein Hubschrauber sendete Übersichtsaufnahmen aus der Luft. Der Mindestabstand von 1,50 Metern wurde auf dem Platz, auf dem auch viele Einkäufer unterwegs waren, trotz mehrmaliger Lautsprecherdurchsagen der Polizei oft nicht eingehalten. Erst am Abend beruhigte sich die Lage.
Um welches Klientel es sich bei den Demonstranten und den Festgenommenen handelte, sagte die Polizeisprecherin zunächst nicht. Dazu werde ermittelt. Wie ein dpa-Reporter beobachtete, mischten sich unter anderem Rechte und Verschwörungstheoretiker mit Gegnern der Corona-Beschränkungen.

45 Menschen vor dem Reichstag festgenommen

Auch am Rosa-Luxemburg-Platz und vor dem Reichstag hatten am Samstag Kundgebungen stattgefunden, teils waren auch dort Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten. Vor dem Reichstag nahm die Polizei wegen der Nichteinhaltung der Regeln zur Corona-Eindämmung 45 Menschen fest. Die Polizei war eigenen Angaben zufolge den Tag über mehr als 1000 Beamte in der Stadt im Einsatz.
Polizei Blaulicht
© dpa

Polizei löst Party mit 24 Leuten auf

Die Polizei hat eine Geburtstagsparty in einer Wohnung in Kreuzberg mit 24 Menschen aufgelöst. Zwölf der Gäste hatten dabei vergeblich versucht, sich unter anderem hinter dem Sofa zu verstecken. mehr

Polizisten und Corona-Demonstranten
© dpa

Widerstand gegen Corona-Regeln: Mehrere Demos in Berlin

Berlin gilt seit Jahren als Demohauptstadt. Nach einer Pause wegen der Corona-Krise nimmt das Geschehen wieder Fahrt auf. Viele Themen klingen besorgt, manche provokant, andere auch etwas hintersinnig. Am Alexanderplatz eskalierte die Stimmung. mehr

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 11. Mai 2020 09:35 Uhr

Weitere Meldungen