Berlin sagt MSA-Prüfungen weitgehend ab

Berlin sagt MSA-Prüfungen weitgehend ab

Eltern, Schüler und auch viele Lehrer hatten es längst gefordert. Nun steht fest: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) macht eine Kehrtwende, die Prüfungen der Zehntklässler für den Mittleren Schulabschluss (MSA) fallen in diesem Jahr weitgehend aus.

Klassenzimmer in Berlin

© dpa

Stühle stehen in einer Schule im Berliner Stadtteil Friedenau auf den Tischen.

So sollen die drei schriftlichen MSA-Prüfungen und die mündliche Prüfung aufgrund der besonders angespannten Situation an den Schulen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, wie die Senatsverwaltung für Bildung am 22. April 2020 mitteilte. Dagegen ist geplant, die noch ausstehenden Präsentationsprüfungen stattfinden zu lassen.

GEW: Auf MSA-Prüfungen kann verzichtet werden

Kritiker wie der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann hatten mehrfach darauf hingewiesen, dass die MSA-Prüfungen in der Coronakrise verzichtbar seien. Auch der Landesschülerausschuss und der Landeselternausschuss teilten diese Einschätzung.

Mündliche Präsentationsprüfungen sollen stattfinden

«Wir haben noch einmal alle Argumente abgewogen: Ohne die schriftlichen MSA-Prüfungen können wir in den kommenden Wochen mehr Unterricht anbieten, gerade auch für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler», erklärte Scheeres jetzt. «Weil Korrekturarbeiten entfallen, können sich die Lehrkräfte anderen wichtigen Aufgaben zuwenden und Schülerinnen und Schüler noch besser fördern.» Die mündlichen Präsentationsprüfung beizubehalten, ermögliche gleichzeitig aber auch, dass die Schülerinnen und Schüler ein MSA-Prüfungszeugnis erhalten.

Abiturprüfungen sind bereits im vollen Gange

Die Abiturprüfungen soll es auf jeden Fall geben, betonte Scheeres nochmals. Die ersten umfangreichen Abiturprüfungen im Fach Biologie an diesem Mittwoch hätten gezeigt, dass diese sicher und ordnungsgemäß durchgeführt werden könnten. Auch die Zahl der Krankmeldungen von Prüflingen habe sich auf dem Niveau der Vorjahre bewegt.
Nach Einschätzung der Senatsverwaltung zwingt die aktuelle Lage alle Beteiligten zu schwierigen Entscheidungen: «Es geht grundsätzlich um einen vernünftigen und verantwortbaren Mittelweg zwischen Kontaktvermeidung im Sinne des Infektionsschutzes und dem Recht auf Bildung und Zukunftschancen.»

ISS, LSA und VOB begrüßen die Entscheidung der Senatorin

Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren (VOB), nannte die Entscheidung, dem MSA auch für Berliner Gymnasiasten die Jahrgangsnoten zugrunde zu legen, klug und notwendig. Gunilla Neukirchen, Vorsitzende der Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW, hält sie ebenfalls für richtig: «Sie erlaubt es, die Ressourcen in den wenigen Wochen bis zu den Sommerferien auf den Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler zu konzentrieren.» Zustimmung gab es ebenfalls von Seiten der Berliner ISS-Schulleiterinnen und -Schulleiter und von der Vereinigung berufsbildender Schulen in Berlin.
Der Vorsitzende des Landesschülerausschusses (LSA), Miguel Gongora, begrüßte die Entscheidung. «Es scheint, als hätte Senatorin Scheeres hier Vernunft walten lassen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bei den mündlichen Prüfungen müsse das Prinzip der Freiwilligkeit gelten, forderte er. «In Corona-Zeiten sollte niemand gezwungen werden, zu den Prüfungen zu erscheinen.»

Auch die IHK zufrieden mit dem Kurswechsel

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) begrüßte die 180-Grad-Wende der Senatorin: «Für die Ausbildungsbetriebe stellt dies bei der Bewertung der Ausbildungsfähigkeit bei den Ausbildungsplatzbewerbern kein Problem dar», teilte der IHK-Geschäftsführer für Wirtschaft und Politik, Jörg Nolte, mit. «Sie verwenden häufig eigene Bewerbertests und prüfen im persönlichen Gespräch, ob der Bewerber in das Unternehmen passt und die Ausbildung erfolgreich durchlaufen kann.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 24. April 2020 17:20 Uhr

Weitere Meldungen