Schutzmasken verschwunden: Berlin bemüht sich um Aufklärung

Schutzmasken verschwunden: Berlin bemüht sich um Aufklärung

Der Berliner Senat bemüht sich um Aufklärung, was genau mit einer aus Asien stammenden Lieferung von 200 000 Schutzmasken passiert ist, die nie in der Hauptstadt ankam.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD)

© dpa

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD).

«Wir sind dabei, die Details zu klären», sagte der Sprecher der Innenverwaltung, Martin Pallgen, am Samstag. Momentan lägen noch keine Informationen vor, was genau auf dem Flughafen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok passiert sei.
Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte am Freitag mitgeteilt, die Masken, die für die Berliner Polizei bestimmt waren, seien in Bangkok auf Betreiben der USA «konfisziert» worden. Er warf Washington einen «Akt moderner Piraterie» vor und sprach von «Wildwest-Methoden». Das Portal t-online.de zitierte einen hohen US-Regierungsbeamten mit der Aussage, die Vorwürfe aus Berlin seien «komplett falsch».
Die CDU warf dem Senat «bewusste Irreführung» und «Desinformation» vor. «Der Senat sucht einen Schuldigen, um seine eigene Unfähigkeit bei der Beschaffung von Schutzausrüstungen zu verschleiern», erklärte CDU-Fraktionschef Burkard Dregger. «Er hat für die Krise nicht vorgesorgt. Und jetzt zeigt er sich nicht in der Lage, in der Krise Material zu beschaffen.»
Insgesamt habe die Berliner Polizei bei einem deutschen Fachhandel 400 000 medizinische Masken der Schutzklasse FFP-2 bestellt und bezahlt, erläuterte Sprecher Pallgen am Samstag. Er korrigierte damit Angaben der Innenverwaltung vom Vortag, in denen von einer Bestellung bei einem US-Hersteller die Rede gewesen war.
Die Aussage, dass die Masken in Bangkok konfisziert worden seien, basiert dem Sprecher zufolge auf Angaben des Fachhändlers. «Der Händler hat die Polizei informiert, dass die Lieferung aufgrund einer US-Direktive storniert und das Frachtflugzeug mit der Lieferung nicht nach Deutschland, sondern in die USA geflogen ist.»
Bei den fraglichen 200 000 Masken, die vor Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können, handele es sich um die erste Charge der Bestellung, sagte der Sprecher weiter. Gemeinsam mit dem Fachhandel und der Berliner Polizei versuche der Senat nun, die genaue Lieferkette nachzuvollziehen. Wo die Masken produziert worden seien und von welchem Hersteller, sei momentan nicht bekannt.
Berliner Medien hatten gemutmaßt, dass die Masken beim US-Konzern 3M bestellt worden seien, der sie in einem Werk in China hergestellt habe. Dazu erklärte das Unternehmen am Freitagabend (Ortszeit): «3M hat keine Beweise, die darauf hindeuten, dass 3M-Produkte beschlagnahmt worden sind. 3M hat keine Unterlagen über eine Bestellung von Atemschutzmasken aus China für die Berliner Polizei.»
Medizinische Schutzmasken sind in der Corona-Krise weltweit eine heiß begehrte Ware. Sie müssen zu großen Teilen auf dem Weltmarkt beschafft werden, auf dem enorme Konkurrenz herrscht. Immer wieder gibt es auch Berichte, dass die USA anderen Staaten bestelltes Schutzmaterial zum mehrfachen Preis vor der Nase wegkauften. Der Berliner Senat hat Pallgen zufolge derzeit keine Erkenntnisse, dass das im konkreten Fall so lief.
Dregger glaubt hingegen fest daran. «Die USA haben einfach mehr bezahlt», behauptete er bei Twitter. Woher er diese Erkenntnis hat, teilte er nicht mit. «Ich erwarte vom Senat, dass er sich auf das Geschäftsgebaren anderer einstellt und direkt vor Ort die Beschaffungen durchführt», so Dregger. «Aufwachen: Flugzeug chartern, Geld mitnehmen und handeln!» Mehrere Politiker der rot-rot-grünen Koalition warfen Dregger daraufhin «billige Polemik» und Stimmungsmache vor, darunter Senatskanzleichef Christian Gaebler (SPD).
«Klar ist, dass die Berliner Polizei Schutzmasken braucht», ergänzte der Sprecher der Innenverwaltung. Man bemühe sich nun, auch andere Möglichkeiten zur Beschaffung zu finden. Momentan kostet eine Maske, für die früher etwa 50 Euro-Cent fällig wurden, um die 6 Euro. Bei 400 000 Masken kommen so rund 2,4 Millionen Euro zusammen statt vor der Corona-Pandemie 200 000 Euro.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 4. April 2020 20:22 Uhr

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