«Nacht der Solidarität» in Berlin: Obdachlose werden gezählt

«Nacht der Solidarität» in Berlin: Obdachlose werden gezählt

Zum ersten Mal werden in einer großangelegten und systematischen Aktion Obdachlose in einer deutschen Großstadt gezählt.

Obdachloser in Berliner Kälte

© dpa

Obdachloser in Berlin

An diesem Mittwochabend (29. Januar 2020) laufen zwischen 22.00 Uhr und 01.00 Uhr freiwillige Helfer auf festgelegten Routen durch die Berliner Bezirke und zählen die Menschen, die auf der Straße, unter Brücken, in Zelten oder sonstigen Behelfsbehausungen leben. Seit Jahrzehnten gibt es für die Hauptstadt nur grobe Schätzungen über das Ausmaß von Obdachlosigkeit. Die Zahlen liegen zwischen 6000 und 10 000 Menschen.

Nicht aufwecken, nicht duzen, nicht drängen

Organisiert wird das Zählen von der Senatsverwaltung für Soziales unter dem Titel «Nacht der Solidarität». 3725 freiwillige Helfer, darunter viele Studenten, sind in 617 Teams zum Zählen unterwegs. Die Teamleiter sind geschult, in einigen Gegenden begleiten Sozialarbeiter den Zähltrupp. Es gibt feste Regeln für das Ansprechen von Obdachlosen: Nicht aufwecken, nicht duzen, nicht drängen.

Obdachlosigkeit ist sehr unterschiedlich

Es gibt Aussteiger, die sich bewusst der Gesellschaft entziehen, Alkohol- und Drogensüchtige, Menschen ohne Arbeit, Osteuropäer, die vor desolaten Verhältnissen in ihrer Heimat fliehen und in Deutschland auf bessere Versorgung hoffen, oder Roma-Familien, die hier in Autos und Zelten leben. Die offenen Grenzen in der EU und die besseren Bedingungen in Deutschland ziehen viele Menschen aus Osteuropa an.

In Berlin gibt es ein großes Netz an Hilfsangeboten

Suppenküchen, Notübernachtungsplätze, Kältehilfe, Unterkünfte für wohnungslose Familien, Beratungsstellen und Straßensozialarbeit. Mehr als acht Millionen Euro fließen jedes Jahr in den Bereich, doppelt so viel wie noch vor einigen Jahren. Manche Initiativen und Verbände sagen, das reiche nicht aus.

«Nacht der Solidarität»: Ergebnisse werden am 7. Februar vorgestellt

Die Zählung der obdachlosen Menschen soll nun eine statistische Grundlage schaffen, um eine passgenauere Unterstützung anbieten zu können. Wie verlässlich die Zahlen sein werden, steht noch nicht fest. Bekanntgegeben werden sollen sie am 7. Februar. Geplant ist, die Zählung in den kommenden Jahren zu wiederholen.
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Nacht der Solidarität

Am 29. Januar 2020 findet in Berlin eine Premiere statt. Erstmals in Deutschland werden in dieser Nacht all die obdachlosen Menschen gezählt und befragt, die nachts auf der Straße schlafen. mehr

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 29. Januar 2020 08:36 Uhr

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