Kolonialobjekte: Anlaufstelle soll Restitution erleichtern

Kolonialobjekte: Anlaufstelle soll Restitution erleichtern

Die Rückgabe von Objekten aus der Kolonialzeit soll vereinfacht werden. Bund und Länder wollen dafür eine zentrale Anlaufstelle einrichten. Menschen und Institutionen aus Herkunftsstaaten und betroffenen Gesellschaften können sich dort über Bestände von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland informieren. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Kulturminister von Bund und Ländern am Mittwoch in Berlin.

Raubkunst-Bronzen

© dpa

Drei Raubkunst-Bronzen aus dem westafrikanischen Land Benin sind in einer Vitrine ausgestellt.

«Die Anlaufstelle soll dabei helfen, dass wir mehr Klarheit und Transparenz bekommen für diejenigen, die auf der Suche nach Auskünften über Objekte in Deutschland sind», sagte der Vorsitzende der im vergangenen Jahr gegründeten Kulturministerkonferenz, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), nach der Sitzung der dpa.
Die Zahl infrage kommender Stücke ist immens. Allein beim Ethnologischen Museum der von Bund und Ländern getragenen Stiftung Preußischer Kulturbesitz handelt es sich um eine halbe Million Objekte. Die Anlaufstelle solle bei der Kulturstiftung der Länder eingerichtet werden und ihre Arbeit im Frühjahr aufnehmen. Die Kosten von rund 400 000 Euro übernehmen Bund und Länder jeweils zur Hälfte.
Bisher müssten sich Interessierte in einem ziemlichen Dschungel zurechtfinden, sagte Brosda. «Wir wollen sicherstellen, dass es da eine Stelle gibt, die man adressieren kann, von der aus dann die weitere Aufklärungs- und Klärungsarbeit unternommen wird.» Dies solle ein wichtiger Schritt sein, «um die dringend notwendige und ja auch vielfach geforderte Transparenz über die Objekte und die Inventare in den Museen weiter vorantreiben zu können».
In einer gemeinsamen Erklärung von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden hieß es ergänzend: «Zahlreiche deutsche Museen und andere Institutionen arbeiten bereits an einer Inventarisierung und Digitalisierung ihrer Bestände und stellen Daten zur Verfügung, die in die beratende und vernetzende Arbeit der Kontaktstelle einfließen können.»
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, die Anlaufstelle werde «den Dialog mit Expertinnen und Experten sowie Betroffenen im Interesse eines offenen, respektvollen und partnerschaftlichen Miteinanders suchen und möglichst kurzfristig umsetzbare Lösungen vorschlagen». Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, sagte: «Nur gemeinsam mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften kann die Aufarbeitung unserer kolonialen Vergangenheit gelingen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 16. Oktober 2019 19:06 Uhr

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