Mauerbau-Gedenken: 18 DDR-Flüchtlinge an Grenzen gestorben

Mauerbau-Gedenken: 18 DDR-Flüchtlinge an Grenzen gestorben

Die dreiste Lüge von SED-Chef Walter Ulbricht ging in die Geschichte ein. «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.» Nur wenig später begann am 13. August 1961 der Bau des Bollwerks.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller

© dpa

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) an der Mauergedenkstätte Bernauer Straßer. Foto: Jörg Carstensen/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Bei Fluchtversuchen in den Monaten vor dem Mauerfall kamen an den Grenzen der damaligen Ostblock-Staaten mindestens 18 DDR-Bürger um. Das sei der vorläufige Stand einer Untersuchung zu ungeklärten Todesfällen an den früheren Außengrenzen des Ostblocks sowie zu Toten in der Ostsee, sagte Jochen Staadt vom Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin am Montag. Bis 2022 sollen bislang rund 700 Fälle untersucht werden. Unter den 18 Opfern war 1989 demnach auch ein Kind.
Mehrere Tausend DDR-Flüchtlinge hatten im Sommer 1989 versucht, über die Grenzen der «sozialistischen Bruderstaaten» Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien und Polen in den Westen zu kommen. Bis Anfang Oktober gelang das laut Forschungsverbund mehr als 50 000 DDR-Bürgern. Zahlreiche Fluchtversuche endeten aber mit Festnahmen.
An diesem Dienstag wird in Berlin an den Mauerbau vor 58 Jahren erinnert. Geplant ist ein Gedenken in der zentralen Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße. In der Kapelle der Versöhnung steht eine Andacht auf dem Programm, danach sollen Kränze an der früheren Mauer niedergelegt werden.
Am 13. August 1961 hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer begonnen. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre. Die Teilung endete erst mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989.
An dem Gedenken in der Bernauer Straße wird auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erwartet. Er erklärte am Montag, der Bau der Mauer sei ein tiefer Einschnitt in das Schicksal der Stadt und ihrer Bewohner gewesen. Trotz der Erinnerung an Jubel und Freude über den Fall der Grenzen vor 30 Jahren dürften die Toten und Opfer nicht vergessen werden. «Beide Erinnerungen gehören zusammen.» Heute müssten die Demokratie und den Rechtsstaat verteidigt werden.
An der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam wird die CDU-Bundesvorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (15.00 Uhr) eine Rede zum Mauerbau-Jahrestag halten. Während der Teilung gehörte eine Hälfte des Bauwerks zum Osten und die andere zum Westen. Im Kalten Krieg war die Brücke mehrmals Schauplatz für den Austausch von Agenten.
In Berlin starben nach dem Mauerbau vom 13. August 1961 nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. An einer Studie, wonach an der etwa 1400 Kilometer langen deutsch-deutschen Grenze mindestens 327 Menschen ums Leben kamen, war Kritik aufgekommen. Teile des abgeschlossenen Forschungsprojekts sollten überprüft werden.
Indes finden 69 Prozent der Ostdeutschen einer Forsa-Umfrage zufolge heute ihre persönliche Situation besser als früher. 9 Prozent der Befragten gaben hingegen eine Verschlechterung seit dem Ende der DDR an. 18 Prozent meinten, es sei «genauso wie früher», ging aus dem am Montag veröffentlichten RTL/n-tv-Trendbarometer hervor. In dessen Auftrag hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1500 Über-45-Jährige in den neuen Ländern in der vergangenen Woche befragt.
Eine verschlechterte Situation sahen laut Umfrage vor allem 55- bis 60-Jährige, Hauptschüler und Befragte mit mittlerem Schulabschluss sowie Menschen mit niedrigem Einkommen. Bei denjenigen, die ihre Situation heute verschlechtert einschätzen, sieht demnach etwa ein Drittel den Arbeitsplatz nicht mehr als sicher an. 27 Prozent aus dieser Gruppe meinten der Umfrage zufolge, ihre Einkommen und Renten seien niedriger als in der DDR. Bei den Menschen, die ihr Leben nicht positiv verbessert sehen, würden 30 Prozent die AfD wählen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 12. August 2019 15:40 Uhr

Weitere Meldungen