Anschlag auf dem Breitscheidplatz: Neue Libyen-Verbindung?

Anschlag auf dem Breitscheidplatz: Neue Libyen-Verbindung?

Bilal Ben Ammar, der nach Tunesien abgeschobene Freund des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri, gibt neue Rätsel auf. Ein Verbindungsbeamter des Bundeskriminalamtes (BKA) in Tunis sagte am Donnerstag als Zeuge vor einem Untersuchungsausschuss des Bundestages, die tunesischen Behörden hätten im Januar 2017 mitgeteilt, Ben Ammar habe Tunesien vor längerer Zeit in Richtung Libyen verlassen, um sich dort der radikalen Islamisten-Gruppe Ansar al-Scharia anzuschließen. Bislang hieß es seitens der deutschen Ermittler, Ben Ammar sei 2014 gemeinsam mit anderen Tunesiern von seiner Heimatstadt Bizerte per Boot nach Italien gekommen.

Auch Amri soll in Kontakt mit islamistischen Terroristen in Libyen gestanden haben. Er hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und in eine Menschenmenge auf dem Berliner Breitscheidplatz gesteuert. Er tötete zwölf Menschen, floh quer durch Europa und wurde schließlich in Italien erschossen. Ben Ammar zählte zu seinem Freundeskreis. Am Vorabend des Anschlags aßen sie zusammen in einem Lokal. Gegen Ben Ammar war zunächst wegen möglicher Mittäterschaft ermittelt worden. Nach zwei Vernehmungen entschied man sich dann aber für eine schnelle Abschiebung. Aktuell ist er im Mornaguia-Gefängnis inhaftiert, wo viele Terrorverdächtige einsitzen. Was ihm in Tunesien vorgeworfen wird, ist unbekannt.
Die Obfrau der Linksfraktion im Untersuchungsausschuss, Martina Renner, forderte: «Das Ermittlungsverfahren gegen Ben Ammar muss wieder aufgenommen werden.» Die Beweisaufnahme im Ausschuss habe ergeben, «dass das BKA viele Hinweise auf eine Mittäterschaft erst nach seiner Abschiebung ausgewertet hat». Ob und wo der Ausschuss Ben Ammar als Zeugen vernehmen kann, steht noch nicht fest. Deutschland müsste womöglich ein Rechtshilfeersuchen stellen. Der BKA-Verbindungsbeamte sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass man Ben Ammar frei lasse, damit er nach Deutschland reise.
Eine leitende BKA-Beamtin verteidigte als Zeugin im Bundestag die hastige Abschiebung. Sie sagte: «Für mich war Ben Ammar von Anfang an eine Kopie des Amri», er sei «fest verankert in diesem radikal-dschihadistischen Umfeld» gewesen. Da seine Haft absehbar enden würde, habe sie damals, um einen möglichen weiteren Anschlag zu verhindern, auf seine schnelle Abschiebung gedrungen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 16. Mai 2019 18:30 Uhr

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