AfD-Politiker will Schnellstrecke Kopenhagen-Schwerin-Berlin

AfD-Politiker will Schnellstrecke Kopenhagen-Schwerin-Berlin

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Holm erhofft sich vom geplanten Fehmarnbelttunnel eine bessere Bahnanbindung für Schwerin. Die Deutsche Bahn sieht dafür jedoch laut Bundesverkehrsministerium keine wirtschaftliche Grundlage.

Leif-Erik Holm (AfD)

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Leif-Erik Holm (AfD). Foto: Markus Scholz/Archivbild

Schwerin/Berlin (dpa/mv) - Der Schweriner AfD-Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm setzt auf den Bau des umstrittenen Fehmarnbelttunnels zwischen Deutschland und Dänemark und knüpft daran die Erwartung einer besseren Einbindung Schwerins in den Fernverkehr der Bahn. «Der Tunnel ermöglicht im Zusammenspiel mit dem Bau der Kurve Bad Kleinen erstmals eine direkte Schnellverbindung von Kopenhagen über Schwerin nach Berlin. Seit einem Jahr werbe ich für diese Strecke, und mittlerweile wird mit dem ersten Gutachterentwurf zum «Deutschlandtakt 2030» genau diese Trasse ins Gespräch gebracht», sagte Holm.
Auch wenn der «Deutschlandtakt» erst ab 2030 gelten solle, so würden jetzt im wahrsten Sinne des Wortes die Weichen gestellt. Holm forderte die Landesregierung auf, sich für die Aufnahme der Strecke in die Bahn-Planungen und damit auch die bessere Anbindung des ländlichen Umlands an Fernstrecken einzusetzen. Erst seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 halten ICE-Züge auch wieder in Schwerin.
Holms Visionen erhielten allerdings erste Dämpfer. In zwei Antwortschreiben an ihn teilte das Bundesverkehrsministerium zwar mit, dass die Direktverbindung Kopenhagen-Berlin über Schwerin «eine mögliche angebotsorientierte Ergänzung» sein könne. Doch sei die Verbindung nicht im «Angebotskonzept des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege enthalten», heißt in der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben. Zudem sehe die DB Fernverkehr AG keine wirtschaftliche Grundlage für die Aufnahme einer solchen Direktverbindung.
Die Ablehnung sei bedauerlich und kurzsichtig, erklärte Holm. Doch sei die Sache damit nicht vom Tisch. «Möglicherweise haben andere Bahn-Unternehmen Interesse, Konkurrenz belebt bekanntermaßen das Geschäft. Auch die dänische Bahn könnte diese Strecke bedienen.»
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg kritisierte den AfD-Politiker: «Herr Holm schmückt sich mit fremden Federn.» Die Schienenstrecke Lübeck-Schwerin sei ursprünglich nicht im Verkehrswegeplan 2030 enthalten gewesen. «Dass die Strecke eine Nachbewertung erfuhr und in den Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgenommen wurde, bedurfte erheblicher politischer Aktivitäten in der letzten Legislaturperiode», betonte er. Den Bau des Fehmernbelttunnels habe er im Gesamtinteresse des Landes immer kritisch gesehen. Neben möglichen positiven Effekten für Westmecklenburg müssten die Auswirkungen auf die Fährverbindungen vom Hafen Rostock nach Skandinavien auch kritisch gesehen werden.
Der von Dänemark initiierte Fehmarnbelttunnel soll sowohl für Autos als auch die Bahn nutzbar sein. Das Projekt ist vor allem umweltpolitisch umstritten, wegen des aufwendigen Planungsverfahrens verzögert sich der Baubeginn seit Jahren. Ursprünglich sollte der etwa 18 Kilometer lange Tunnel 2021 fertig sein. Zuletzt galt 2028 als frühester Termin der Fertigstellung. Ende 2018 hatte das EU-Gericht die vorgesehene staatliche Förderung als nicht rechtens verworfen. Der staatseigene dänischen Konzern Femern A/S hält dennoch am Bau fest.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 1. Mai 2019 16:10 Uhr

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