Klaus Kandt wird Berliner Polizeipräsident

Klaus Kandt wird Berliner Polizeipräsident

Die fast zweijährige Suche nach Berlins neuem Polizeipräsidenten ist beendet: Künftig soll der bisherige Leiter der Bundespolizeidirektion Berlin, Klaus Kandt, die bundesweit größte Landespolizei führen. «Der Senat von Berlin ist meinem Vorschlag einstimmig gefolgt», sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Dienstag bei Kandts Vorstellung. Damit setzte sich der 52-Jährige gegen zuletzt vier von einst 18 Mitbewerbern durch - darunter Vizechefin Margarete Koppers, die die Behörde kommissarisch führt.

Klaus Kandt

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Fast zwei Jahre dauerte das Auswahlverfahren. Foto: Robert Schlesinger

Mit der Entscheidung sei eine «unwürdige Hängepartie» beendet. Er habe auf ein faires Auswahlverfahren für fähige Kandidaten gesetzt, betonte Henkel. «Es war keine Entscheidung gegen eine hervorragende Kandidatin, sondern für den besseren.» Zugleich wollte Henkel trotz jüngster Verstimmungen weiter an Koppers festhalten, die eine bemerkenswerte Arbeit geleistet habe. «Ich bin sicher, das Team Kandt/Koppers wäre eine Bereicherung.» Auch Kandt sprach sich für eine weitere Zusammenarbeit mit der 51-jährigen Juristin aus.
Der Bundespolizist war schon Ende 2011 als Favorit seines Parteifreundes Henkel gehandelt worden. Das CDU-Parteibuch habe aber keine Rolle gespielt, sagte Henkel. Letztlich habe es nach den Auswahlgesprächen ein deutliches Ergebnis für Kandt gegeben. Er soll nun mindestens zehn Jahre lang die Berliner Polizei führen. «Das wird eine spannende Aufgabe», sagte Kandt.
Er gilt als erfahrener Behördenchef. Mitarbeiter beschreiben ihn als kompetent, freundlich und verbindlich. Der 52-Jährige, der seit 1986 in Berlin lebt, will sich zunächst dringenden Themen wie der V-Mann-Affäre in seinem Haus um einen mutmaßlichen NSU-Helfer widmen. Er versprach, seine Behörde offen und transparent zu führen. Auch beim krawallträchtigen 1. Mai werde er wie bisher auf Zurückhaltung und Gespräche setzen. «Das Wort ist die stärkste Waffe», sagte er. Neben der Verbrechensbekämpfung sei auch die strukturelle und personelle Entwicklung ein wichtiges Thema. «Es gibt viel zu tun.»
Neben parteiübergreinden Glückwünschen für Kandt bedauerten in der Opposition und SPD viele die Absage an Koppers. «Es wäre gesellschaftspolitisch ein Zeichen gewesen, eine Frau an die Spitze der größten Landespolizei zu setzen», sagte SPD-Innenexperte Thomas Kleineidam. Für die Grünen ist es erklärungsbedürftig, warum Koppers mit Blick auf das Gleichstellungsgesetz nicht ernannt worden sei.
Linken-Fraktionschef Udo Wolf attestierte der 51-Jährigen, trotz Differenzen «stets gesprächsbereit und offen für Kritik» gewesen zu sein. Piraten-Politiker Christopher Lauer sagte, Kandt müsse sich seine Sporen erst verdienen. Er hoffe auf eine «mutige Informationspolitik». Besonders im Bereich Rechtsextremismus gebe es Nachholbedarf. Grünen-Innenpolitiker Benedikt Lux sagte über Kandt: «Er muss sich kritisch und durchsetzungsstark gegenüber dem Innensenator zeigen.»
Henkel hatte die Stelle neu ausgeschrieben, nachdem das alte Verfahren zweimal vor Gericht scheiterte. Geklagt hatte der Chef der Polizeidirektion 1, Klaus Keese. Der 61-Jährige will auch jetzt eine Klage prüfen. Dafür bleibt eine Frist von 14 Tagen. Erst danach wird Kandt ernannt. «Wenn alles glatt läuft, hat Berlin im Dezember wieder einen Polizeipräsidenten», sagte Henkel. Unklar ist, ob Koppers weiterhin als Vize bei der Polizei bleibt. Zur Berufung Kandts wollte sie sich auf Nachfrage nicht äußern. Seit der letzte Polizeichef Dieter Glietsch in Rente gegangen war, hatte sie die Behörde mit rund 23 000 Mitarbeitern kommissarisch geleitet.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich für eine gute Zusammenarbeit mit Kandt aus. «Wir wollen nun aber die berühmten 100 Tage abwarten, wie sich Herr Kandt schlägt», sagte GdP-Landeschef Michael Purper. Aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) muss Kandt dafür sorgen, dass die Polizei ihr Selbstwertgefühl wiederbekomme. «Das hat in den letzten Jahren durch Stellenabbau und die bundesweit schlechteste Bezahlung enorm gelitten», sagte Landesvorsitzender Bodo Pfalzgraf.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 20. November 2012 17:04 Uhr

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