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100 Jahre Hufeisensiedlung Teil 2

Hufeisensiedlung Vogelperpektive

Konkrete Utopie und gelebte Gemeinschaft

1926 feierten die Erbauer der Großsiedlung Britz Richtfest. Die ersten Mieter zogen in die heutigen Weltkulturerbe-Wohnungen. Im zweiten Teil unserer Jubiläums-Reihe blicken wir zurück auf das Leben in der Siedlung, in Neukölln und Berlin in den 1920er und 1930er Jahren. Wir beleuchten Geschichte, Gegenwart und Zukunft des gemeinwirtschaftlichen Bauens und Wohnens.

Kuratiert und moderiert werden Vorträge und Führungen, Lesungen und Gesprächsrunden zur hundertjährigen Geschichte dieser Ikone der Moderne und Modellsiedlung des sozialen Wohnungsbaus vom Historiker Henning Holsten.

Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Die Plätze sind begrenzt. Melden Sie sich rechtzeitig an über die Kurslinks oder per E-Mail an veranstaltung@vhs-neukoelln.de.

Zu den einzelnen Veranstaltungen

Berlin, Alexanderplatz

Für die Stadtplaner des „Neuen Berlin“ hatte die Hufeisensiedlung im Wohnungsbau eine ähnliche Vorreiterrolle wie der Hermannplatz als erster „Weltstadtplatz“. Radikaler Kahlschlag, funktionale Ausrichtung auf Verkehr und Konsum und modernste künstlerische Gestaltung sollten Berlin nach den Visionen Martin Wagners und Ernst Reuters zur international maßstabsetzenden Verkehrsmetropole machen.

Bekanntester Schauplatz dieser weltstädtischen Bauwut wurde ab 1929 der Alexanderplatz. Literarisch verewigt durch Alfred Döblins Roman und dessen Verfilmung mit Heinrich George als Franz Biberkopf wurde die Großbaustelle in der Stadtmitte schnell zum Symbol des „Neuen Berlin“ und langfristig zum Mythos der Berliner Moderne.

Begleiter auf unserer Zeitreise zur berühmtesten Baustelle der Weimarer Republik ist der Berlinologe Michael Bienert. Er hat zahlreiche Bücher zur Kulturgeschichte Berlins verfaßt, darunter „Döblins Berlin“ (2017) und „Die Zwanziger Jahre in Berlin“ (2019). Er unternimmt seit mehr als 30 Jahren literarische Stadtspaziergänge auf den Spuren von Franz Biberkopf.

Termin: : 1.10.2026 | 18-21 Uhr
Treffpunkt: U-Bhf. Klosterstraße (Bahnsteig)

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Drei Neuköllner Genossenschaften

Neukölln war bereits ein Experimentierfeld des sozialen Wohnungsbaus als es noch Rixdorf hieß. Träger der wohnreformerischen Pionierprojekte waren Genossenschaften, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts gründeten, um in Eigeninitiative Lösungen für die grassierende Wohnungsnot zu schaffen. In den Zwanziger Jahren und der Nachkriegszeit zählten sie mit GEHAG und DeGeWo, den Erbauern der Großsiedlung Britz, zu den gemeinwirtschaftlichen Hauptakteuren des Berliner Wohnungsbaus.

Heute gehören die Baugenossenschaft Ideal, der WBV Neukölln und die Wohnungs-genossenschaft Neukölln zu den ältesten der großen Berliner Genossenschaften. Ihre Geschichte spiegelt die Vielfalt, Erfolge und Rückschläge genossenschaftlicher Bestrebungen, die heute – wie die Hufeisensiedlung – als Weltkulturerbe geschätzt werden.

Der Historiker Henning Holsten war beteiligt an mehreren Ausstellungen und Publikationen zur Geschichte des gemeinwirtschaftlichen Bauens in Berlin, zuletzt zum Jubiläum „125 Jahre Wohnungsgenossenschaft Neukölln“.

Termin: 16.10.2026 18-21 Uhr
Treffpunkt: Infostation Hufeisen
Kursnr.: NK-B100c.02

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Günter de Bruyn: Eine Jugend in Britz

Zu den ersten Mietern der Britzer Neubauwohnungen zählte vor 100 Jahren auch die Familie des frisch geborenen Günter de Bruyn. In seinen Memoiren erinnert sich der als Außenseiter der DDR-Literatur bekannte Schriftsteller an die prägenden Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend in den 1930er Jahren: an ländliche Idylle und mitreißende Modernität, familiäre Geborgenheit und die beängstigenden Zwänge der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft auf dem Weg in die Katastrophe, die viele der porträtierten Personen nicht überlebten und das ausgebombte Elternhaus in Trümmern zurückließ.

Weit mehr als ein nostalgischer Rückblick auf glückliche Kindertage, erzählt de Bruyn am Beispiel der eigenen Lebensgeschichte von alltäglicher Anpassung und Verweigerung unter totalitärer Herrschaft und der Einübung des individuellen Widerstands gegen kollektivistische Zwänge.

Wolfgang de Bruyn, Literaturwissenschaftler, Denkmalpfleger und Schriftsteller, ist der Sohn und Treuhänder der Günter-de-Bruyn-Stiftung. Er wird aus den Memoiren seines Vaters und eigenen Erinnerungen lesen und erzählen.

Termin: 6.11.2026 | 15-18 Uhr
Treffpunkt: Festsaal Schloß Britz
Kursnr.: NK-B100c.03

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Neues Bauen – Glück für Frauen?

„Der Architekt denkt, die Hausfrau lenkt.“ erkannte Bruno Taut und wandte sich in seinem Buch zur neuen Wohnkultur deshalb direkt an „die Frau als Schöpferin“. Einen schöpferischen Beitrag von Frauen bei der Entwicklung moderner Stadtplanungs- und Wohnkonzepte vermochte der progressive Architekt hingegen nicht zu erkennen. Auch der „Dirigent des Städtebaus“ Martin Wagner sah sein „Orchester der Fachleute“ als reine Männersache.

Unterschlagen wurden dabei wichtige historische Vordenkerinnen ebenso wie zeitgenössische Kolleginnen der Wohnreformer, von einer Reflektion traditioneller Geschlechterrollen, die den „Arbeitsplatz der Frau“ selbstverständlich im Haushalt verorteten, ganz zu schweigen.

In ihrem Vortrag zur feministischen Kritik am Neuen Bauen und Wohnen wird Claudia von Gelieu, Frauengeschichtsforscherin und Stadtführerin (Frauentouren), diese Leerstellen der „Väter“ der Hufeisensiedlung kritisch beleuchten.

Am Veranstaltungsort kann eine originale Wohnungseinrichtung der GEHAG besichtigt werden.

Termin: 20.11.2026 | 18-21 Uhr
Treffpunkt: Infostation Hufeisen
Kursnr.: NK-B100c.04

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Genossenschaften und Gemeinwirtschaft: Blick zurück nach vorn?

„Wir bauen die neue Zeit!“ Mit diesem selbstbewußten Motto wurde die GEHAG 1924 von Gewerkschaften, Genossenschaften und sozialen Bauunternehmen gegründet. Innerhalb weniger Jahre wurde die GmbH in Arbeiterhand zum Flaggschiff der Gemeinwirtschaft und errichtete bis 1931 über 10.000 Wohnungen in Berlin, darunter die Hufeisensiedlung und zwei weitere heutige Welterbesiedlungen.

Welche Rolle können Genossenschaften, Gewerkschaften und Kommunen heute bei der Überwindung der Krise im Wohnungsbau spielen? Gibt es gemeinwirtschaftliche Vorbilder und Traditionen, an die man anknüpfen könnte? Sind die „Siedlungen der Berliner Moderne“ heute ein Fall für den Denkmalschutz? Oder weisen die reformsozialistischen Experimente Martin Wagners weiterhin Wege in die Zukunft des Bauens und Wohnens im 21. Jahrhundert?

Diese Fragen nach den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Trägern des sozialen Wohnungsbaus in Geschichte und Gegenwart diskutieren wir mit dem Historiker Ralf Hoffrogge, Autor der jüngsten Geschichte der Berliner Mietenbewegung „Das laute Berlin“ (2025), dem Architekten Steffen Adam, Herausgeber des Jubiläumsbandes „100 Jahre GEHAG“. Gegenwart und Zukunft des solidarischen Wohnungsbaus“ (2024) und Barbara König vom Berliner Genossenschaftsforum, die 2004 mit der Studie „Stadtgemeinschaften“ zum Potenzial der Wohnungsgenossenschaften für die soziale Stadtentwicklung promovierte.

Termin: 25.11.2026 | 16-19 Uhr
Treffpunkt: Festsaal Schloß Britz
Kursnr.: NK-B100c.05

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Babylon Neukölln

Das Berlin der Zwanziger Jahre ist längst zum Mythos geworden. Krimis und TV-Serien, Ausstellungen und Jubiläumsfeiern zeugen von der anhaltenden Faszination der wilden Zeiten von „Babylon Berlin“. Dabei mischen sich zunehmend auch düstere Schatten in das verklärte Bild von grellen Leuchtreklamen und freizügigen Kabarettbühnen, avantgardistischer Kunst und pulsierendem Nachtleben der Weltmetropole an der Spree.

Mietskasernenelend und Arbeiterproteste, Kriminalität und Korruption, Parteienkampf und Straßenschlachten – Neukölln machte vor 100 Jahren nicht nur mit sozialem Wohnungsbau und Schulreformen, dem modernsten Kaufhaus Europas und ausschweifenden Vergnügungen in der Hasenheide Schlagzeilen. Wie schon im wilhelminischen Rixdorf entluden sich im rötesten Bezirk Berlins gesellschaftliche Spannungen mit besonderer Heftigkeit, lagen Gewalt und Vergnügen, Aufbruch und Untergang nahe beieinander.

In einer bunter Revue aus Literatur, Musik, Bild und Film unternehmen die Berlinhistoriker Michael Bienert, Arne Krasting und Henning Holsten eine lokalgeschichtliche Zeitreise in die goldenen Zwanziger Jahren bis zur braunen Machtübernahme.

Termin: 9.12.2026 | 18-21 Uhr
Treffpunkt: Romanisches Café Europa Center