Doktor-Buch: Herta Müllers Lieblingsbuch der Kindheit

Doktor-Buch: Herta Müllers Lieblingsbuch der Kindheit

Ein medizinisches Handbuch mit herausnehmbaren Organen hat auf Literatur-Nobelpreis-Trägerin Herta Müller als Kind große Anziehungskraft ausgeübt.

Herta Müller

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Herta Müller, Literatur-Nobelpreisträgerin.

«Meine Großmutter hatte eine große Bibliothek», erzählte die in Rumänien aufgewachsene Schriftstellerin («Atemschaukel», «Herztier») am Donnerstagabend in Berlin während des Festivals «Re:Writing the Future». «Als der Krieg zu Ende war, hat meine Großmutter die Bücher alle verbrannt, weil sie Angst hatte vor den Russen. Sie wusste nicht, welche Bücher gefährlich werden könnten für sie.»
Übrig blieben laut Müller nur zwei, drei Bücher. «Am besten gefallen hat mir «Das große Doktor-Buch» über Krankheiten zur häuslichen Behandlung. Darin waren Körper: Mann, Frau. Die hatten Türen und die Organe konnte man herausnehmen.» Sie habe die Organe herausgenommen, damit gespielt und wieder reingetan. «Das war aber verboten, es gehörte sich nicht», erzählte Müller.
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«Immer, wenn ich wusste, dass niemand zuhause ist - sie sind auf dem Feld, also so schnell können sie nicht kommen - bin ich an dieses Doktor-Buch gegangen. Ich habe dann die Sachsen rausgenommen, aber ich konnte sie natürlich nicht mehr richtig einräumen. Das passte dann auch gar nicht mehr. Manchmal wurde das so schief oder quer, dass ich die Deckel der Brust nicht mehr zumachen konnte.» Ihre Mutter habe dann natürlich gemerkt, dass sie «schon wieder» an dem Doktor-Buch gewesen war.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 26. Februar 2021