Insekten auf der Grünen Woche: Maden in Speck?

Insekten auf der Grünen Woche: Maden in Speck?

Auf der Suche nach neue Geschmacksreizen ist die Nahrungsbranche erfindungsreich. Jetzt soll Krabbeltieren der Durchbruch in deutschen Küchen gelingen und auf der Grünen Woche darf probiert werden.

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    Insekten können auf der Grüner Woche 2018 probiert werden.
  • Die Grüne Woche Berlin© dpa
    Vom 19. bis zum 28. Januar 2018 findet in Berlin die Grüne Woche statt.
Für die Esser ist es eine Geschmacksfrage, den Herstellern geht es ums Geschäft. Rund 170 000 verschiedene Lebensmittel sind auf dem deutschen Markt, 40 000 kommen jedes Jahr hinzu, die Verbraucher wollen bei Laune gehalten werden.
Internationale Grüne Woche
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Fotos: Grüne Woche 2018

In den Messehallen unter dem Funkturm findet die Internationale Grüne Woche statt. Hier erwarten die Besucher Nahrungs- und Genussmittel von über 1600 Anbietern aus 66 Ländern. mehr

«Wie schmeckt die Zukunft?»

Das Motto der Ernährungsindustrie auf der Grünen Woche in Berlin lautet nicht umsonst: «Wie schmeckt die Zukunft?» Eine Antwort: Nach Würmern, Käfern und Grillen. Die sind vor allem in Asien längst eine beliebte Speise. In deutschen Küchen werden sie bislang selten verarbeitet.

Novel-Food-Verordnung erlaubt Insekten zum Verzehr

Das könnte sich jetzt ändern, zumindest das Angebot in Restaurants und Supermärkten dürfte wachsen. Denn seit 1. Januar gilt in der Europäischen Union eine neue Novel-Food-Verordnung. Damit wird die Zulassung von neuen Lebensmitteln etwa auf Basis von Insekten oder Algen vereinfacht.

Insektenburger auf der Grünen Woche

Auf der Grünen Woche werden den Besuchern ab Freitag zum Beispiel Insektenburger (mit Käferlarven) gereicht, dazu kann man eine Limonade aus Acai-Beeren trinken.

Dschungelcamp lässt grüßen

Das ist nicht nach Jedermanns Geschmack. Auch wenn gebratene Würmer und frittierte Heuschrecken anders als in der TV-Show Dschungelcamp nicht mehr krabbeln, ist die große Mehrheit in Deutschland noch nicht bereit für solche Mahlzeiten. Nur jeder siebte Bundesbürger kann sich laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov vorstellen, Insekten zu verzehren. 14 Prozent antworteten auf die entsprechende Frage mit «Ja, auf jeden Fall» und «Eher ja».

Bauernpräsident glaubt an traditionelle Lebensmittel

Bauernpräsident Joachim Rukwied erkennt zwar an, dass sich Essensgewohnheiten verändern. Für seine Klientel sieht er aber keine Bedrohung. «Naturnahes Essen kommt vom Bauernhof», sagte er. «Das ist nun mal Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch.» Daran werde sich hierzulande nichts ändern, auch wenn die Lebensmittel künftig «anders aufbereitet» würden.

Fast 2000 Insektenarten sind essbar

Immerhin sind rund 1900 Insektenarten nach Schätzung der Welternährungsorganisation FAO essbar. Bei rund zwei Milliarden Menschen stehen sie bereits auf dem Speiseplan. Am beliebtesten sind Käfer, gefolgt von Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen, Zikaden, Termiten, Libellen und Fliegen. Auch in einigen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Dänemark haben sich schmackhafte Insekten schon in die Kühlregale vorgearbeitet.

Nährstoffe müssen angefüttert werden

Unter Experten wird bereits länger diskutiert, ob Insekten dabei helfen können, die wachsende Weltbevölkerung mit Nahrung zu versorgen. Wilhelm Windisch, der den Lehrstuhl für Tierernährung an der Technischen Universität München-Weihenstephan leitet, hält das für keine Lösung. Insekten seien nur dann voller wertvoller Nähstoffe wie Proteine, wenn sie in der Zucht entsprechend gefüttert würden. Das sei nicht anders als bei Schweinen oder Rindern. «Sie schaffen damit eine Lebensmittelkonkurrenz», sagt Windisch auf der Grünen Woche.

Auch bei Insekten gibt es Qualitätsunterschiede

Wer seine Tierchen nur mit Abfällen oder Exkrementen füttere, bekomme eben minderwertige Insektenqualität. Im übrigen seien Nebenprodukte aus der Landwirtschaft, die man zur Insektenfütterung nutzen könne, kaum verfügbar. Fragen nach Umweltbelastungen, Tierkrankheiten und der Lebensmittelsicherheit stellten sich bei Insekten genauso wie bei Großvieh.
Grüne Woche
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Internationale Grüne Woche Berlin

18. bis 27. Januar 2019

Die Internationale Grüne Woche Berlin gilt als weltgrößte Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. mehr

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 19. Januar 2018