Brandenburgs Seelsorger haben mehr zu tun

Brandenburgs Seelsorger haben mehr zu tun

Brandenburgs Seelsorger hatten in den vergangenen Jahren immer mehr zu tun. Der zunehmende Bedarf an seelischem Trost ist unter anderem auch auf die Corona-Krise zurückzuführen. «Gerade seit der Pandemie wurden die Zahlen intensiver aufgearbeitet und es gab in den Lockdowns teils bis zu 50 Prozent mehr Nachfragen», berichtet Beate Müller von der Telefonseelsorge in Potsdam. Diese sowie die anderen beiden in Cottbus und Frankfurt (Oder) nehmen jedes Jahr über 25 500 Anrufe entgegen.

Telefonseelsorge

© dpa

Eine Mitarbeiterin der Telefonseelsorge nimmt einen Telefonat an.

195 Menschen spenden derzeit in Brandenburg ihre Zeit und engagieren sich in der Regel etwa 15 Stunden im Monat am Telefon, hören die Sorgen und Nöte der Anrufenden, wie Müller informiert. Die Telefonseelsorge sei vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe als systemrelevanter Dienst eingestuft worden. «Wir können als eine der wenigen Institutionen unseren Dienst kontinuierlich in allen Phasen und mit allen Einschränkungen der Pandemie anbieten», sagt sie.
Mit mehr Einschränkungen haben die Seelsorger in den Krankenhäusern zu tun. Unter anderem an den Havelland-Kliniken Nauen und Rathenow, den Potsdamer Kliniken Ernst von Bergmann und St. Josef sowie dem Klinikum St. Marien in Brandenburg/Havel betreibt das katholische Erzbistum Berlin seit 30 Jahren ehren- und hauptamtliche Seelsorge. «Bis zu 20 Ehrenamtliche engagieren sich für uns in Brandenburg», sagt Bistumsreferentin Luzia Hömberg. Für die Seelsorger würden strenge Vorschriften wie etwa die Masken- und Testpflicht gelten.
Betreut werden auch Corona-Patienten. «Oft sind wir die einzigen Ansprechpartner und manchmal Mittler zwischen Patienten und Angehörigen», sagt Hömberg. Zudem kümmerten sich die Seelsorger auch um das Krankenhauspersonal, das ebenfalls einem enormen Druck ausgesetzt sei. «Es gab auch Telefon- oder Briefaktionen sowie musikalische Darbietungen vor den Kliniken», berichtet die Referentin.
180 Ehrenamtliche engagieren sich in dem vom Land und der Evangelischen Kirche getragenen Projekt zur Notfallseelsorge. «Personelle Probleme haben wir aktuell hauptsächlich in Ostprignitz-Ruppin, aber da rücken bald welche nach», berichtet Stefan Baier, Krankenhausseelsorger in den Beelitzer Heilstätten (Potsdam-Mittelmark). Seit 2007 ist er auch Landesbeauftragter für die Notfallseelsorge im Land.
Die Seelsorger rücken unter anderem bei Großschadenslagen, aber auch bei einzelnen Unglücken wie Suiziden oder erfolglosen Reanimationen aus. «Drei Viertel unserer Einsätze leisten wir im häuslichen Umfeld», erklärt Baier. Zuletzt seien es deutlich mehr geworden: 935 im Jahr 2020. In den Jahren zuvor seien es immer etwas mehr als 800 gewesen. «Das dürfte daran liegen, dass es 2020 und 2021 mehr Suizide gegeben hat», sagt Baier. Mit der Corona-Pandemie will der Notfallseelsorger die Entwicklung aber nicht in Verbindung bringen.
Die Ehrenamtlichen könnten selbst entscheiden, ob sie einen Haushalt mit Corona-Verdachtsfällen betreten oder nicht. «Notfalls machen wir das telefonisch», sagt Baier. Manchmal störe die Maske bei Gesprächen, weil viel über die Mimik funktioniere. «Wir haben aber festgestellt, dass man auch mit den Augen viel sagen kann», sagt der Notfallseelsorger.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 18. Dezember 2021 18:31 Uhr

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