Immer mehr Corona-Fälle: Kliniken müssen Betten frei halten

Immer mehr Corona-Fälle: Kliniken müssen Betten frei halten

Die Corona-Lage in Brandenburg spitzt sich weiter zu - die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter drastisch. Das Gesundheitsministerium berichtete am Mittwoch von 3221 neuen Fällen, am Dienstag waren es 2125. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg im gesamten Land von 600,1 am Vortag auf nun 620,3. Vor einer Woche lag der Wert bei 433,4. Damit hat Brandenburg im Ländervergleich nach Sachsen, Thüringen und Bayern weiter den vierthöchsten Wert. Bei diesem Wert steht die Warnampel von Brandenburg schon länger auf Rot. Kliniken müssen mehr Betten für Covid-Patienten frei halten. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind derzeit keine Intensivbetten mehr frei.

Krankenhaus

© dpa

Eine Pflegekraft geht auf einer Intensivstation über den Flur.

Vor allem im Süden steigen die Inzidenzen. Die Landkreise Elbe-Elster (1410,7), Oberspreewald-Lausitz (1294,3) und Spree-Neiße (1013,2) liegen weiter über 1000 neuen Infektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Der Kreis Dahme-Spreewald (935,3) kratzt an der Marke 1000. Elbe-Elster hat nach Daten des Robert Koch-Instituts den vierthöchsten Wert bundesweit in einem Landkreis, Oberspreewald-Lausitz den siebthöchsten.
Die Kliniken verzeichnen weiter eine Zunahme von Covid-Patienten. Aktuell werden 547 Menschen behandelt nach 511 am Montag. 119 liegen auf Intensivstationen, 98 von ihnen müssen mit Stand Montag beatmet werden. Auf Gelb steht die Ampel weiter bei der Belegung der Intensivbetten in Kliniken. Die Quote der belegbaren Intensivbetten mit Covid-Patienten liegt bei 16,0 Prozent nach 15 Prozent am Vortag, der Warnwert von 10 Prozent ist längst überschritten.
Angesichts der dramatisch zunehmenden Zahl von Corona-Ansteckungen müssen Krankenhäuser wieder mehr Betten für Covid-Patienten frei halten. Die zunächst seit Juni ausgesetzte Regelung sei seit diesem Mittwoch wieder in Kraft, teilte das Gesundheitsministerium mit. Das bedeutet demnach für die Krankenhäuser, dass sie mindestens 10 Prozent der tatsächlich betreibbaren Betten auf den Normalstationen und mindestens 15 Prozent der intensivmedizinischen Betten mit Beatmungsmöglichkeit frei halten müssen. Derzeit seien 80 Prozent der aktuell betreibbaren Intensivbetten durch Nicht-Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt. Die Kapazitäten für die Versorgung von Covid-19-Erkrankten seien aktuell stark begrenzt, hieß es aus dem Ministerium.
«Leider müssen wir uns auch auf eine spürbare Zunahme von Corona-Patientinnen und -Patienten einstellen, die stationär versorgt werden müssen. Für alle Beschäftigten in Krankenhäusern und im medizinischen Bereich bedeutet das wieder enorme Belastungen», sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Sie appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und Kontakte einzuschränken.
Besonders dramatisch ist die Lage im Kreis Oberspreewald-Lausitz. Nach Auskunft von Sprecher Stephan Hornak sind keine Intensivbetten mehr frei. Der überwiegende Teil sei mit Covid-Patienten belegt. Zunächst hatte der rbb darüber berichtet.
Um Engpässe in der intensivmedizinischen Behandlung zu vermeiden, sollen bis zum Wochenende mehrere Dutzend Patienten aus den stark von Corona betroffenen Regionen im Osten und Süden in andere Teile Deutschlands verlegt werden. Im September vergangenen Jahres wurde dafür das sogenannte Kleeblattkonzept beschlossen.
Ob auch aus Brandenburg bereits im Einzelfall Patienten verlegt wurden, war zunächst nicht bekannt. Innerhalb des Bundeslandes war das bereits geschehen. Eine Aufstellung dazu liegt dem Ministerium nach eigenen Angaben momentan nicht vor. «Wir stehen aber im regelmäßigen Austausch mit den fünf Versorgungsregionen», sagte Sprecher Gabriel Hesse.
Unterdessen steigt landesweit die Nachfrage nach Corona-Schutzimpfungen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte - besonders nach Auffrischungsimpfungen. Im Vergleich zum Vortag gibt es den Angaben zufolge rund 22.000 mehr Impfungen. «Das zeigt, dass wir beim Impfen immer mehr Tempo machen», sagte der Ministeriumssprecher. Im Vergleich zur Vorwoche wurden über 85.600 mehr Impfungen verabreicht.
Der Landkreis Oberspreewald Lausitz hat indes die Impfstelle in Senftenberg wieder geöffnet, auch ein Impfbus fährt nach Angaben des Sprechers durch die Region. «Wir können aber die Nachfrage nach Impfungen mit unseren Möglichkeiten gar nicht bedienen», berichtete Sprecher Hornak.
Das Kulturministerium startet am Samstag eine Impftour durch Kultureinrichtungen, um noch mehr Menschen in Brandenburg zu einer Corona-Schutzimpfung zu bewegen. Erste Station der «ImpfKulTour» soll die Waschhaus-Arena in Potsdam sein, wie es hieß. Dort werden von 16.00 bis 20.00 Uhr Impfungen gegen das Coronavirus angeboten. Weitere Stationen sollen in den kommenden Wochen folgen. Mit der Aktion sollen niederschwellige Impfangebote gemacht werden, die Nachfrage nach mobilen Impf-Angeboten sei in der Bevölkerung groß, erklärte Kulturministern Manja Schüle zur Impfaktion. Deshalb steuere der Impf-Bus des Ministeriums und ein Team des Klinikums Ernst von Bergmann landesweit Theater, Konzerthäuser, Museen, Galerien und soziokulturelle Zentren an.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 24. November 2021 18:22 Uhr

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