Prozess um KZ Sachsenhausen: Beamtin erläutert Ermittlungen

Prozess um KZ Sachsenhausen: Beamtin erläutert Ermittlungen

Im Prozess um die Massentötungen von Lagerhäftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen hat eine Kriminalbeamtin die Ermittlungen gegen den Angeklagten erläutert. Dokumente zur Tätigkeit des 100-Jährigen als Mitglied der SS-Wachkompanien im KZ Sachsenhausen hätten sich im Archiv der Gedenkstätte, im Koblenzer Bundesarchiv und im Stasi-Unterlagen-Archiv gefunden, berichtete Kriminalhauptmeisterin Heike Trautmann vom Staatsschutz der Brandenburger Polizeidirektion Nord am Donnerstag. Darin seien jeweils der Name, das Geburtsdatum und der damalige Dienstgrad des Angeklagten vermerkt gewesen.

Justitia

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand.

Aus den Unterlagen habe sich ergeben, dass der Angeklagte vom 23. Oktober 1941 bis zum 18. Februar 1945 in sechs verschiedenen Kompanien der SS-Wachmannschaften tätig gewesen sei, berichtete die Beamtin. In der Zeit sei er vom einfachen Dienstgrad zum SS-Rottenführer aufgestiegen. Die Ermittler hätten die Zahl der Tötungen in dem Lager während dieser Dienstzeit unter anderem anhand von Vernehmungsprotokollen und Gerichtsurteilen teils aus den 1950er Jahren akribisch untersucht, berichtete die Beamtin.
Trautmann präsentierte dem Gericht eine 14 Meter lange Liste, auf der die Beamten die täglichen Tötungen notiert hatten. Insgesamt seien es während der Dienstzeit des Angeklagten 38.110 Opfer gewesen. Hinzu kämen 10.936 namentlich bekannte Häftlinge, die im Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen verzeichnet seien. Als Tötungsarten nannte Trautmann Erschießungen, Erhängungen, Vergasungen und menschenunwürdige Lebensbedingungen.
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Der Prozess vor dem Landgericht Neuruppin wird aus organisatorischen Gründen in einer Sporthalle in Brandenburg/Havel geführt. Laut Anklage soll der 100-Jährige zwischen 1942 und 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen nahe Berlin als Wachmann der SS Beihilfe zur Ermordung Lagerinsassen in mindestens 3518 Fällen geleistet haben. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe am zweiten Prozesstag bestritten.
Am Freitag will das Gericht einen weiteren Ermittlungsbeamten hören, der Überlebende des KZ Sachsenhausen vernommen hat. Für den Prozess sind insgesamt 22 Verhandlungstage bis in den Januar vorgesehen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 21. Oktober 2021 13:51 Uhr

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