Brandenburg wächst und altert: 44.000 Pflegekräfte gesucht

Brandenburg wächst und altert: 44.000 Pflegekräfte gesucht

Trotz eines weiteren Geburtenrückgangs und einer deutlich wachsenden Zahl von Sterbefällen erwarten die Statistiker bis 2030 einen leichten Bevölkerungszuwachs in Brandenburg. Im Vergleich zu 2019 sei mit einem Zuwachs von etwa 17 000 auf rund 2,54 Millionen Bürger zu rechnen, sagte der Leiter des Landesamtes für Statistik, Jörg Fidorra, am Montag bei der Vorstellung der Bevölkerungsprognose. Grund dafür sei ein erwarteter Zuzug von rund 230 000 Menschen, insbesondere aus Berlin, aber auch aus anderen Bundesländern.

Altenheim

© dpa

Ein Schild weist auf ein Altenheim hin.

Doch die Brandenburger Gesellschaft wird auch deutlich älter. Das Durchschnittsalter der Brandenburger soll in diesem Zeitraum von derzeit 47,2 Jahre auf 48 Jahre steigen. Denn der Anteil der Senioren über 65 Jahren werde laut der Statistik von aktuell einem Viertel bis 2030 auf ein Drittel der Bevölkerung steigen - konkret um 130.000 auf mehr als 760.000 Menschen, heißt es in einer am Montag vorgestellten Studie im Auftrag des Sozialministeriums.
Dabei werde die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit 154.000 deutlich zunehmen, hieß es in der Studie. Eine genaue Prognose lag allerdings nicht vor. Angesichts der alternden Gesellschaft würden in Brandenburg bis 2030 rund 44.000 neue Pflegekräfte gebraucht.
«Die Aufgabe besteht darin, eine wachsende Zahl von Pflegebedürftigen mit immer weniger jungen Menschen als Nachwuchskräfte in der Pflege zu versorgen», sagte Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Daher habe das Land bereits einige Modellprojekte und den Pakt für Pflege angestoßen. «Wir versuchen, durch viele kleinteilige Maßnahmen in den Kommunen zu erreichen, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause auch von Angehörigen gepflegt werden können», sagte die Ministerin. «Brandenburg kann ein Modellland werden für das Zusammenleben in einer älter werdenden Gesellschaft.»
Um dies zu erreichen, gehörten neben der ambulanten Pflege auch der Ausbau von Möglichkeiten für soziale Kontakte der Senioren und nachbarschaftliche Hilfe, sagte Nonnemacher. «Es bedarf einer Unterstützung gesamten Gemeinde, um die Pflegebedürftigen zu Hause zu versorgen», meinte die Ministerin. Mit 82 Prozent ist die Quote der Bedürftigen in häuslicher Pflege in Brandenburg höher als im Bundesdurchschnitt.
Während der Speckgürtel um Berlin nach den Berechnungen des Statistikamts mit starken Zuwächsen bei der Bevölkerung bis zu 10 Prozent in Potsdam und - auch wegen der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER - im Landkreis Dahme-Spreewald rechnen kann, werden die berlinfernen Regionen Rückgänge bei der Bevölkerungszahl voraussichtlich zwischen 6 und 11 Prozent verkraften müssen. Besonders düster sieht es in Südbrandenburg mit jeweils einem Minus von 11 Prozent in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster sowie mit einem Minus von 10 Prozent im Landkreis Spree-Neiße aus.
Neben den Städten im Umland von Berlin erwarten die Statistiker aber auch für die sogenannte Städte in der zweiten Reihe wie Beelitz, Nauen, Zossen oder Eberswalde ein Wachstum. Denn von diesen Mittelzentren aus sei Berlin und damit für viele Zuzügler weiterhin der Arbeitsplatz innerhalb einer Stunde mit der Bahn erreichbar, erläuterte Fidorra.
Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er kommen bald ins Rentenalter, gleichzeitig rücken wenige Nachwuchskräfte ins Erwerbsleben nach. Unterm Strich werden im Jahr 2030 100 Erwerbstätigen 92 Personen genüberstehen, die noch nicht oder nicht mehr erwerbstätig sind, wie die Statistiker berechneten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 21. Juni 2021 15:09 Uhr

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