Experte: Lausitz braucht intelligente Wasserverteilung

Experte: Lausitz braucht intelligente Wasserverteilung

Durch den Kohleausstieg und den Klimawandel wird die Lausitz in den kommenden Jahren mit deutlich weniger Wasser auskommen müssen. Zu dieser Einschätzung kommt der Wissenschaftler Volker Preuß am Lehrstuhl Wassertechnik und Siedlungswasserbau der Brandenburgischen-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). «Wir stehen in der Tat vor Herausforderungen», sagte der Ingenieur der Deutschen Presse-Agentur.

Die Spree sei eigentlich ein «bescheidenes Flüsschen» mit relativ wenig Abfluss. Durch die Einleitung von Wasser aus den Kohlegruben habe der Fluss über einen Zeitraum von 100 Jahren deutlich mehr Wasser geführt. «Wenn die bergbaubedingten Wassereinleitungen in die Spree allmählich zurückgehen, kommen wir in Richtung der natürlichen Abflussverhältnisse des Flusses und das ist - gerade was die Sommermonate angeht - deutlich weniger, als das, was wir alle bislang gewohnt sind», erläuterte Preuß.
Noch gebe es keine Klarheit, wie sich die Verhältnisse in den kommenden Jahren darstellen werden. «Wasser irgendwo herzaubern geht nicht, also muss man es möglichst intelligent verteilen», schätzte der Ingenieur ein. Beispielsweise müssten Wasser-Überschüsse gespeichert werden - das sei nicht neu. Das habe er bereits in Veröffentlichungen von 1916 gelesen, erklärte der Forscher. Auch damals sei es um einen erhöhten Wasserbedarf gegangen, vor allem in Berlin.
Mit Blick auf die Ansiedlung des US-Autoelektrobauers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) und seinem Wasserbedarf sagte Preuß, die Wasserbereitstellung für die Nutzer sei durchaus auch «limitiert». Bestehende Nutzungsinteressen und zur Verfügung stehendes Wasser müssten abgeglichen werden. «Man kann das nicht beliebig nach oben treiben, da können noch so viele Arbeitsplätze im Gespräch sein», betonte er. Damit das Gesamtsystem funktioniere, müsse auch die Wasserver- und -entsorgungssituation betrachtet werden.
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© pcrberlin

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Als einen Lösungsansatz sieht der Wissenschaftler die Überlegung, Tagebaurestseen mit Speicherfunktion direkt zur Wasserbewirtschaftung zu nutzen. Der größte Speicher sei aber immer noch das Grundwasser, hielt der Ingenieur fest. «Wir müssen uns mehr bemühen, dass das Niederschlagswasser auch zur Versickerung kommt und den Grundwasservorrat auffüllt.» Ein großes Thema sei deshalb die Siedlungsentwässerung, die bislang häufig über die Kanalisation erfolge. Da müsse umgesteuert werden, um mehr Niederschlagswasser zur Versickerung zu bringen.
An seinem Lehrstuhl, der sich auch mit Fragen der Trinkwasserversorgung befasst, werden Studenten in aktuelle Projekte mit eingebunden, erzählt Preuß. So beschäftigte sich ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut Potsdam mit der Wasseraufbereitung. Untersucht wurde, ob statt synthetischer Polymere (chemischer Stoff aus Makromolekülen) auch biobasierte Polymere zur Wasseraufbereitung verwendet werden können.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 22. März 2021 07:00 Uhr

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