Impfstoff in Brandenburg vorerst verplant

Impfstoff in Brandenburg vorerst verplant

Die Menge an Corona-Impfstoff ist in Brandenburg vorerst so begrenzt, dass über die Hotline nur noch wenige neue Termine vergeben werden können. «Die Impfungen in stationären Pflegeeinrichtungen haben Priorität», teilte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Montag mit. Allen rund 25 000 Bewohnern von Pflegeheimen solle bis Mitte Februar ein Impfangebot gemacht werden. «Es wird perspektivisch aber genug Impfstoff für alle Impfwilligen zur Verfügung stehen.»

Ursula Nonnemacher nimmt an einer Pressekonferenz teil

© dpa

Ursula Nonnemacher nimmt an einer Pressekonferenz teil.

Bei der Zahl der Corona-Ansteckungen je 100 000 Einwohner in einer Woche liegt Brandenburg mit knapp 300 auf Rang drei hinter Sachsen und Thüringen. Bei der Quote der Impfungen pro 1000 Einwohner rangiert Brandenburg laut Robert Koch-Institut mit 5,6 auf dem drittletzten Platz; nur in Sachsen und Thüringen läuft es noch schleppender.
Bis Mitte Februar könnten laut Ministerium 84 000 Menschen in Brandenburg geimpft werden. Das wären etwas mehr als drei Prozent der Bevölkerung von rund 2,5 Millionen. Zunächst sollen rund 280 000 Menschen den Schutz bekommen - über 80-Jährige, Pflegeheimbewohner, Pflegepersonal und Gesundheitspersonal mit hohem Ansteckungsrisiko.
Bisher hat Brandenburg dem Ministerium zufolge 58 500 Impfstoffdosen von Biontech und Pfizer erhalten, bis Dienstag sollen 2400 Dosen von Moderna hinzukommen - das wären insgesamt knapp 61 000. Bis Mitte Februar sollen es 168 000 Impfdosen werden. Weil für jeden zwei Impfungen nötig sind, könnten damit 84 000 Menschen geimpft werden.
Über die Rufnummer 116 117 wurden bisher für rund 16 000 Menschen zwei Impftermine in den Impfzentren Potsdam, Cottbus und Schönefeld vergeben. Das dritte Zentrum in Schönefeld startete am Montag im Terminal 5 des Flughafens BER. Bis Februar sind elf Impfzentren geplant.
Derzeit können laut Kassenärztlicher Vereinigung nur Termine für die nächsten drei Wochen vereinbart werden. In den Krankenhäusern ist geplant, bis Ende Februar rund 30 000 Beschäftigte zweimal zu impfen, in Pflegeheimen ist bis Mitte Februar das zweimalige Impfen für 25 000 Menschen vorgesehen. Die FDP kritisierte das Tempo und forderte einen «Turbo» für die Impfungen.
Die Gesundheitsministerin zeigte sich besorgt wegen der Infektionszahlen. «Die Richtung geht im Moment weiterhin nach oben», sagte Nonnemacher im Gesundheitsausschuss des Landtages. Von Sonntag bis Montag kamen 511 neue Fälle hinzu, einige Kreise fehlten jedoch. Hotspot ist der Landkreis Spree-Neiße mit 569 neuen Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche. Die Kommune selbst nannte einen Wert von 444: Der höhere Wert gehe auf Verzögerungen bei der Meldung zurück, neue Fälle seien nicht dem tatsächlichen Tag zugeordnet.
Seit Samstag gelten in Brandenburg schärfere Corona-Regeln. Der Gesundheitsausschuss des Landtages bestätigte die neue Verordnung am Montag in einer Sondersitzung. Damit sind nur noch private Kontakte zu einer weiteren Person außerhalb des eigenen Hausstands erlaubt. Außerhalb eines Radius' von 15 Kilometern um einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt sind touristische Reisen und Sport tabu, wenn der Wert neuer Infektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche dort über 200 liegt. Dies gilt derzeit in 13 Kreisen und drei kreisfreien Städten. Damit legt Brandenburg die Bund-Länder-Vereinbarung großzügiger aus und zieht keinen Radius um den Wohnort.
Schulen sind bis auf Abschlussklassen und Notbetreuung geschlossen. Eine Öffnung der Grundschulen noch im Januar für den Wechsel mit dem Lernen zuhause ist nach Ansicht der Regierung wegen der vielen neuen Ansteckungen nicht sicher. «Sollte es in der nächsten Woche zu einer deutlichen Senkung kommen, gäbe es die Möglichkeit, schon in der Woche vor den Ferien die Grundschulen zu öffnen», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) im Gesundheitsausschuss. Sie betonte aber: «Im Moment geben die Werte keinerlei Anlass, eine Schule zu öffnen.»
Kitas sind offen, es gilt aber der Appell an Eltern, die Kinder so weit wie möglich zuhause zu betreuen. Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 300 neuen Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt sollen die Kitas schließen. Ministerin Ernst wandte sich aber gegen einen Automatismus.
Der Abgeordnete der Linken, Ronny Kretschmer, warnte vor Wildwuchs. Die SPD-Politikerin Elske Hildebrandt verwies darauf, dass die Kitas im Kreis Elbe-Elster mit einem Inzidenzwert von knapp 567 weiter offen seien. Der Kreis betonte, eine Schließung sei nicht geplant, denn das senke die Infektionen bei Hochbetagten nicht deutlich. In Potsdam mit einem Wert von fast 250 sind die Kitas dagegen zu.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 11. Januar 2021 16:45 Uhr

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