Verschwundene Rebecca: Frauen sahen damals verdächtigen Mann

Verschwundene Rebecca: Frauen sahen damals verdächtigen Mann

Im Fall der vor knapp zwei Jahren verschwundenen Rebecca aus Berlin hat erstmals eine Zeugin, die eine große Suchaktion der Polizei in Brandenburger Wäldern mitauslöste, öffentlich ihre Beobachtungen geschildert. Die Frau berichtete zwei Journalistinnen für einen Podcast, wie sie und zwei Freundinnen am Tag des Verschwindens des Mädchens einen auffälligen Mann im Wald nahe dem Dorf Kummersdorf sahen. Diesen Wald durchkämmte die Polizei Mitte März, weil ein Zeuge sich erinnerte, am 18. Februar dort ein Auto gesehen zu haben, das aussah wie der himbeerrote Renault Twingo des Schwagers von Rebecca. Den 27-jährigen Schwager hatte die Polizei damals schnell im Verdacht und hält ihn bis heute für den Täter, kann es aber nicht beweisen.

Suche nach Rebecca

© dpa

Ein junges Mädchen, das mit einer Gruppe Jugendlicher unterwegs ist, klebt in einem Park Flugblätter an einen Laternenpfahl.

In dem Podcast «Im Dunkeln - Der Fall Rebecca Reusch» (bei Podimo) geben die Journalistinnen Miriam Arndts und Lena Niethammer die Aussagen der Frau wieder. Angesichts der Suchaktion der Polizei im März sei ihr und ihren Freundinnen wieder der Mann eingefallen, den sie bei einem Ausritt im Februar gesehen hatten. Durch Smartphone-Fotos hätten sie den Zeitpunkt bestimmt: 18. Februar 2019, kurz vor Mittag.
Zu dritt seien sie mit Pferden in dem Waldstück unterwegs gewesen, sagte die Frau laut dem Podcast-Bericht. Zwischen den Bäumen hätten sie einen Mann mit Baseballkappe gesehen. Er sei direkt aus dem Wald gekommen, habe sich ständig in alle Richtungen umgesehen und sei in Richtung eines Weges, der zu einer Bungalowsiedlung führt, gelaufen. Als er die Reiterinnen bemerkt habe, sei er schneller gegangen, habe nur noch nach unten gesehen und dann leicht seine Richtung geändert, um den Weg nicht zu nehmen, sondern zu überqueren und durch Sträucher hindurch erneut in den Wald zu laufen.
Sie und ihre Freundinnen hätten das damals sehr auffällig gefunden und überlegt, ob der Mann ein Problem habe, sagte die Frau laut den Journalistinnen. In dem Wald seien sonst nur Spaziergänger zu zweit, Menschen mit Hunden, Radfahrer oder Pilzsammler unterwegs. Das Gesicht des Mannes hätten sie nicht gesehen, die Kappe habe eine ähnliche Farbe gehabt wie auf den Fahndungsbildern des verdächtigen Schwagers.
Mehrfach habe die Frau betont, dass sie niemand konkret beschuldigen wolle, berichten die Journalistinnen in ihrem Podcast. Es könne auch ein Zufall gewesen sein, aber der Zeitpunkt, das Verhalten des Mannes und die Ähnlichkeit der Kappe seien schon auffällig gewesen, so die Frau. Die Polizei habe sie dann mehrfach zu dem Vorfall befragt.
Nach dem Verschwinden Rebeccas war der Schwager zweimal von der Polizei festgenommen worden. Sein Auto war am Tag des Verschwindens und am folgenden Tag auf der Autobahn zwischen Berlin und Polen erfasst worden. In den folgenden Wochen durchsuchten Hunderte Polizisten im dünn besiedelten Brandenburg 50 Kilometer südöstlich von Berlin mehrere große Waldstücke. Leichenspürhunde schnüffelten im Unterholz und an Seeufern, Mantrailer-Hunde wurden an der Autobahn entlang geführt. Taucher stiegen von Booten in Gewässer. Rebecca blieb bis heute verschwunden, auch eine Leiche wurde nicht gefunden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 19. Dezember 2020 08:41 Uhr

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