Brandenburgs Wälder leiden: Langfristige Konzepte notwendig

Brandenburgs Wälder leiden: Langfristige Konzepte notwendig

Trockenheit, Hitze, Stürme: Dem Brandenburger Wald geht es trotz einer leichten Erholung das dritte Jahr in Folge schlecht. Zu dieser Einschätzung kommt das Umweltministerium in seinem Waldzustandsbericht 2020, der am Freitag vorgestellt wurde. Der Wald sei das dritte Jahr in Folge im «Dauerstress», sagte Umwelt- und Forstminister Axel Vogel (Grüne) in Potsdam. «Wir müssen feststellen, in Brandenburg ist die Situation nicht gut.»

Axel Vogel spricht

© dpa

Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburger Minister für Landwirtschaft, spricht.

In diesem Jahr sei zwar eine leichte Regeneration der Bäume zu verzeichnen, die Situation bleibe aber angespannt. Seit Beginn der gesamtdeutschen Waldzustandserhebung im Jahr 1991 wurde dem Minister zufolge dieses Jahr sogar die höchste Absterberate von Bäumen beobachtet. «Mit dem Wassermangel und den sich durch Trockenheit stark vermehrenden Schaderregern ist der Klimawandel mitten im Brandenburger Wald angekommen.» Das beeinflusse die Stabilität des Waldes, erläuterte Vogel.
Die Schäden nahmen dem Minister zufolge im Vergleich zum Vorjahr von 37 Prozent auf 25 Prozent ab - das sei aber immer noch ein Viertel der Bäume. Fast alle Baumarten seien betroffen, vor allem Kiefer und Eiche. Der Anteil an Schadholz betrage drei Millionen Festmeter, die Menge entspreche der Holznutzung eines ganzen Jahres.
Vogel erwartet, dass die Witterungsextreme auch in den nächsten Jahren Einfluss auf die Stabilität der Wälder haben werden. Deshalb seien Waldbaukonzepte auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse gefragt, darunter eine klimaangepasste Baumartenwahl, so der Minister. Brandenburg könne wegen des Klimawandels allerdings nicht auf mediterrane Baumarten zurückgreifen, da es auch Spätfröste gebe, erläuterte er.
Das Land setze unter anderem auf die natürliche Verjüngung von Bäumen, da sie stresstoleranter als gepflanzte Bäume seien, erläuterte Vogel. Allerdings müssten sie vor Rehen und Hirschen geschützt werden. «Wir werden dem Kabinett deshalb zügig den Entwurf für die Novellierung des Jagdgesetzes vorlegen und streben eine baldige Einbringung in den Landtag an», kündigte er an.
Auch der Waldumbau hin zu mehr Mischwald soll vorangetrieben werden. Ein Problem sieht der Minister dabei in den fehlenden Investitionen der etwa 100 000 privaten Waldbesitzer in den Umbau ihrer Wälder. Fördermittel von Europäischer Union, Bund und Land würden nicht genügend abgerufen. Das Land habe deshalb eine Beratungskampagne gestartet, um über die Möglichkeiten der Förderung zu informieren.
Im Jahr 2020 wurden demnach 2,5 Millionen Euro für den Waldumbau und rund sechs Millionen Euro für die Waldbrandvorbeugung bewilligt. Für die Bewältigung der Extremwettereignisse seien circa 3 Millionen Euro in Anspruch genommen worden. Ab 2021 gebe es Extra-Prämien für Waldeigentümer, das sei aber nur ein «Notnagel», so Vogel, und keine Lösung.
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Der Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Brandenburg, Gregor Beyer, forderte deutlich stärkerer Investitionen in das wissenschaftliche Monitoring, um die Effekte des Klimawandels zu verstehen. Neben dem schlechten Zustand des Waldes müsse man auch den Zustand der brandenburgischen Forstverwaltung in den Blick nehmen, verlangte er. Dass sich die Evaluierung der forstlichen Verwaltung weiterhin verzögere, sei nicht hinzunehmen.
Brandenburg verfügt über 1,1 Millionen Hektar Wald. Dies entspricht 37 Prozent der Landesfläche. Auf über 70 Prozent der Waldflächen im Land ist die Kiefer immer noch die Hauptbaumart.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 11. Dezember 2020 15:27 Uhr

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