Debatte um Unterricht an Schulen in Pandemie geht weiter

Debatte um Unterricht an Schulen in Pandemie geht weiter

Ausweitung der Maskenpflicht, Abstand halten, Klassen halbieren: Schulen in Brandenburg wollen Klarheit im Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte ein einheitliches Vorgehen und klare Vorgaben für die Einrichtungen. «Wir brauchen ein klares Konzept zwischen Präsenz- und Distanzlernen», sagte ihr Landesvorsitzender Günther Fuchs am Dienstag.

Es sei nicht klug, Entscheidungen ständig zu vertagen. Fuchs zufolge müssten Räume angemietet und zusätzliches Lehrpersonal rekrutiert werden. So könnten man beispielsweise Lehrer im Ruhestand fragen. «Die Klassen müssen halbiert werden.» Der GEW-Chef nannte es unverantwortlich, dass jetzt keine klaren Vorgaben von der Politik kämen.
Aus Sicht von Hartmut Stäker, Präsident des brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, ist ein situationsbedingtes Vorgehen wichtig. Dort, wo die Infektionszahlen gering seien, müsse der Präsenzunterricht so lange wie möglich beibehalten werden, sagte er am Dienstag. Den Wechselunterricht an den Schulen umzusetzen, sei nicht einfach. «Da haben wir ein Personal- und ein Platzproblem.»
Schüler könnten nicht einfach nach Hause geschickt werden, da Eltern dann nicht arbeiten könnten, gab der Verbandschef zu Bedenken. Blieben sie in der Schule, müssten Lehrer sie beaufsichtigen. «Dann muss dieselbe Person, die gerade Präsenzunterricht macht, die Schüler beaufsichtigen. Wie soll das gehen?»
Aus Sicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sind Schulen in der Corona-Pandemie nicht die Infektionstreiber. Nur ein Bruchteil von ihnen sei betroffen, sagte Woidke am Dienstag im RBB-Inforadio. Von mehr als 900 Schulen im Land seien fünf geschlossen worden, was einem Anteil von 0,5 Prozent entspreche.
Der Regierungschef befindet sich derzeit nach einer Corona-Infektion in häuslicher Quarantäne in Forst (Spree-Neiße). Die Diagnose sei ein Schock für ihn gewesen, mittlerweise sei er aber geheilt. Geblieben sei ein «Riesen-Respekt» vor der Krankheit. Natürlich sei das Virus auch an Schulen verbreitet, es werde aber auf unterschiedlichsten Wegen dort hineingetragen, stellte Woidke fest. Deshalb sei es richtig, sich auf andere Bereiche des öffentlichen Lebens, wie zum Beispiel Restaurants und die Hotellerie zu konzentrieren, um die Schulen offen zu halten.
Mit Blick auf die vorübergehende Schließung der Schulen bemerkte Woidke: «Es war eine riesengroße Belastung für die Kinder, für die jungen Menschen, die sich aufs Abitur vorbereitet haben und es war eine genauso große Belastung für die Eltern. Nicht nur aus bildungspolitischer Sicht, sondern auch aus sozialer Sicht war das Gebot der Stunde, die Schulen wieder zu öffnen.»
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag mit den Ministerpräsidenten über weitere Corona-Maßnahmen beraten. In der ursprünglichen Fassung einer Beschlussvorlage des Bundes war noch von einer Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen und einer Halbierung der Gruppengrößen die Rede gewesen. Am Ende vertagten Merkel und die Ministerpräsidenten jedoch die Entscheidung über derartige Maßnahmen bis kommende Woche.
Woidke verteidigte, dass bei den Bund-Länder-Gesprächen am Montag keine konkreten Verabredungen getroffen wurden. Das sei richtig, weil man erst einmal wissen müsse, was die Maßnahmen von vor zwei Wochen gebracht haben. Für das Treffen in einer Woche mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte sich der SPD-Politiker Einigkeit. Das erhöhe die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung deutlich. Außerdem sei ein langfristiger Fahrplan nötig. Die Menschen wollten Sicherheit und nicht, dass «jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird».

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 17. November 2020 17:24 Uhr

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