Wirtschaftsminister Dulig: Signal des Aufbruchs für Lausitz

Wirtschaftsminister Dulig: Signal des Aufbruchs für Lausitz

Gebremster Optimismus: Die Nachrichten über die Planungen eines Testzentrums der Eisenbahntechnik (Tetis) in Niesky bringen Hoffnung in die Stadt. «Es ist ein Zeichen für die Region - und schon jetzt zu spüren, wie der Mut zurückkommt. Dabei wissen wir, dass noch zahlreiche Hürden vor uns liegen», sagte Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann (parteilos) am Mittwoch im Beisein des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD). Er war in die Stadt gekommen, um sich die Potenzialanalyse zum Testzentrum und damit einem Schlüsselvorhaben der Strukturentwicklung im Lausitzer Braunkohlerevier abzuholen.

Martin Dulig (SPD) spricht während eines Pressebriefings

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Martin Dulig (SPD) spricht während eines Pressebriefings.

Für Dulig ist Tetis ein «Signal des Aufbruchs für die in der Lausitz so wichtige Bahnindustrie» sowie für Deutschland als europäischen Bahnstandort. «Wir haben hier Unternehmen, Forschungseinrichtungen und viele mittelständische Unternehmen mit großer Tradition. Uns geht es darum, dieses Potenzial in die Zukunft zu tragen», sagte er. Zudem sehe er Niesky als weit über Deutschlands Grenzen hinaus aufgestellten Bahn-Standort. Das Zentrum könne Anreiz für viele internationale Forschungseinrichtungen und Firmen sein, ihre Waggons, Züge und Triebwagen zu testen.
Wichtigste Grundlage für weitere Planungen des Zukunftsprojektes sei noch vor der Sommerpause der Beschluss des Strukturstärkungsgesetzes Kohleausstieg. «Das Gesetz regelt, mit welchen finanziellen Möglichkeiten wir den Strukturwandel vollziehen können. Wir wollen endlich Verbindlichkeit haben», sagte Dulig. Trotzdem würde man nicht abwarten, sondern bereits parallel nach weiteren Partnern und einem Betreiberkonsortium suchen. Rund 270 Millionen Euro sollen in das Zentrum investiert werden.
Der optimale Tetis-Standort ist aus Sicht der Projektanalyse der Großraum Niesky (Kreis Görlitz) aufgrund seiner Lage im Lausitzer Braunkohlerevier und der langen Bahnbautradition. «In der Region gibt es 41 Unternehmen der Schienenfahrzeugbranche, 15 Werkstätten, sieben Forschungsinstitute und drei große Endmontage-Standorte, wie in Niesky, Bautzen oder Görlitz», sagte Studienherausgeber Heiko Jahn, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH. Die Studie ergab, dass bereits jetzt die fünf Testzentren in der EU an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen würden - und der Bedarf an Testmöglichkeiten immer größer werde.
Jahn verwies so auf die geplanten hohen Investitionen in den Schienenverkehr in Deutschland und Europa sowie die neuen technischen Anforderungen durch Digitalisierung und den Initiativen zu neuen Antrieben, wie Wasserstoff oder Brennstoffzellen. Er verspricht sich wie auch Dulig mit dem Bau des 20 Kilometer langen Bahnovals nicht nur zusätzliche 150 Arbeitsplätze, sondern auch die Standortsicherung für 9800 Arbeitsplätze bei den Schienenfahrzeugherstellern und 3300 Beschäftigen aus der sächsisch-brandenburgischem Lausitzer Bahntechnikbranche. Als ein weiterer Favorit für das Testzentrum galt Mühlberg (Kreis Elbe-Elster). Aufgrund der Analyse fiel gemeinsam mit den Vertretern aus Brandenburg die Entscheidung letztlich aber für Niesky.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 17. Juni 2020 18:19 Uhr

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