Britz statt Brindisi: Urlaub geht auch zu Hause

Britz statt Brindisi: Urlaub geht auch zu Hause

Im Urlaub wegen der Corona-Pandemie nicht wegfahren zu können, klingt für viele Berliner nach Katastrophe. Über Pfingsten zu Hause bleiben zu müssen oder auch im Sommer nicht ans liebgewonnene Urlaubsziel am Mittelmeer oder Atlantik fliegen zu können, macht nicht gerade gute Laune. Harriet Köhler sieht das ganz anders. Die Berliner Autorin hält Verreisen für überschätzt. Für sie ist Britz nicht schlechter als Brindisi.

Autorin Harriet Köhler

© dpa

Die Schriftstellerin Harriet Köhler.

«Wir fahren fast überhaupt nicht mehr in den Urlaub, meine Familie und ich, weil wir vor etwa vier Jahren beschlossen haben, dass diese Rumfliegerei einfach Irrsinn ist», sagte Köhler der Deutschen Presse-Agentur. «Seitdem reisen wir allenfalls noch an die Ostsee. Die Pfingstferien werden wir in unserer Gartenlaube in Brandenburg verbringen, darauf freue ich mich auch schon sehr.»
Statt dem Flug in die Ferne empfiehlt Köhler, die eigene Nachbarschaft zu bereisen. «Letztlich geht es darum, seine Perspektive auf das eigene Zuhause zu verändern, mit Neugierde und wachem Blick in der eigenen Stadt zu bleiben», erklärte Köhler. Dann könne auch der eigene Kiez voller Überraschungen stecken. «Wenn man eine Stadtführung durch seine unmittelbare Umgebung macht, kann man auch wahnsinnig viel entdecken und erleben», sagte die Autorin, die für den Piper Verlag eine «Gebrauchsanweisung fürs Daheimbleiben» geschrieben hat.
«Ich habe mal eine unglaubliche Stadtführung um den Nollendorfplatz in Schöneberg gemacht, bei der haben wir den Platz im Umkreis von 300 Metern umrundet, weiter nicht. Aber wir waren zwei Stunden unterwegs und haben mehr Geschichte und Kulturgeschichte erfahren, als man von mancher Bildungsreise mitbringt.»
Auch wer ziellos durch die Stadt flaniere, könne plötzlich viel entdecken - an Hausfassaden oder in Hinterhöfen, Details, die einem vorher nie aufgefallen sind. «Für den Urlaub in Berlin könnte man sich deshalb ausgiebige, lange Spaziergänge vornehmen, bei denen man durch Viertel kommt, die für Touristen gar nicht unbedingt interessant wären, Menschen und Geschäfte sieht, die einem ganz fremd sind», sagte Köhler.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Ein weiterer Tipp lautet, in der eigenen Stadt mal im Hotel zu übernachten. «Immer wenn ich das gemacht habe, fand ich es fantastisch. Schon allein dieser Moment, man setzt sich auf sein Fahrrad mit kleinem Gepäck, radelt zum Hotel», erzählte Köhler. «Man hat keine lange Anreise hinter sich, keinen Flug und keine Taxifahrt, keine Passkontrolle. Man checkt in sein Zimmer ein, ist plötzlich ganz woanders und fühlt sich ganz anders. Ein tolles Gefühl!»
Wichtig für den Urlaub zu Hause ist nach Köhlers Überzeugung, auch mal locker zu lassen: «Ich glaube, dass das Nichtstun etwas ist, das die meisten Menschen verlernt haben - obwohl es absolut wichtig ist», sagte die Autorin und Journalistin. «Jemand, dem das schwerfällt, sollte sich das hin und wieder vornehmen. Man geht erfrischt daraus hervor, den Kopf voller neuer Gedanken und Ideen.» Dagegen sei ständige Erreichbarkeit eher schädlich: «Wenn es im Urlaub darum geht, im Hier und Jetzt anzukommen oder bei sich selbst, dann kann das nicht gelingen, wenn ständig das Smartphone bimmelt.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 18. Mai 2020 09:09 Uhr

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