Schüler und Eltern halten Öffnungen für nicht durchdacht

Schüler und Eltern halten Öffnungen für nicht durchdacht

Vertreter von Schülern und Eltern in Brandenburg kritisieren das Konzept der Schulöffnungen im Land. «Die Schulen kriegen den Spagat zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht nicht hin», sagte René Mertens vom Landeselternrat am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Durch die geteilten Klassen müssten Lehrer viele Präsenzstunden doppelt unterrichten, dadurch bleibe weniger Zeit für die Schüler, die weiterhin zu Hause lernen. Seinen Angaben nach bekommen auch Schüler, die jetzt tageweise Präsenzunterricht haben, dazwischen kaum Aufgaben für das Selbststudium. «Dieses Mischmasch, das wir gerade haben, ist keine Lösung», sagte Mertens.

Günther Fuchs spricht bei einer Pressekonferenz

© dpa

Günther Fuchs spricht bei einer Pressekonferenz.

Besser ist es nach seiner Ansicht, wenn Schul- und Gesundheitsämter regional je nach Gefährdungslage über Schulöffnungen entscheiden. In Landkreisen mit wenigen oder keinen Corona-Fällen könnten Schulen dann laut Mertens wieder fast wie regulär öffnen. In Corona-Hotspots könne man sich auf den Online-Unterricht konzentrieren.
Auch Nele Dreizehner vom Landesschülerrat hält den Fahrplan für die Schulöffnungen nicht für durchdacht. Schüler, die jetzt am Präsenzunterricht teilnehmen müssen, seien doppelt belastet: Zusätzlich zu dem Unterricht an der Schule müssten sie zu Hause weitere Fächer im Selbststudium pauken - mit weniger Zeit, weil der Präsenzunterricht in den Kernfächern ausgebaut wurde. «Viele Dinge wurden nicht genug bedacht», erklärte die Elftklässlerin.
Dreizehners Angaben nach werden die Abstandsregeln in den Klassen gut eingehalten, auch auf dem Weg zur Schule mit Bus und Bahn gebe es viel Rücksicht: Alle tragen Maske. Auf dem Pausenhof werde diese Disziplin dann aber vergessen - und weil es nicht genügend Lehrer für die Aufsicht gebe, auch nicht kontrolliert. An einigen Schulen fehle es zudem bereits jetzt an Seife.
«Wir brauchen individuelle Förderpläne statt dem Festhalten am Rahmenlehrplan», sagte Günther Fuchs, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Den Fokus auf Abschlussklassen und Prüfungen hielt er für unangemessen. Seiner Meinung nach sollten bis zum Ende des Schuljahres Konzepte erarbeitet werden, wie die Schüler individuell gefördert und Defizite aufgeholt werden können.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Um Familien mit kleinen Kindern zu entlasten, forderte Danilo Fischbach vom Landeskitaelternbeirat eine pragmatische Lösung als Sofortmaßnahme: Elterngruppen sollte es erlaubt werden, sich für die private Betreuung ihrer Kinder zusammenzuschließen. Als nächsten Schritt forderte er die Öffnung der Kitas - in Schichten, Kleingruppen und tageweise. «Frisöre dürfen öffnen, aber die Kleinsten dürfen nicht am sozialen Leben teilnehmen», kritisierte er. «Und überforderten Familien tut es gut, wenn Eltern und Kinder für eine gewisse Zeit getrennt werden.» Familien bräuchten außerdem ein Corona-Kindergeld von der Bundesregierung und arbeitsrechtliche Schutzmechanismen für Eltern, die aufgrund der Kinderbetreuung derzeit im Job ausfallen.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte zuletzt angekündigt, dass jeder Schüler vor den Sommerferien nochmal an die Schule kommen solle. Ab Montag sollen in Brandenburg die fünften Klassen in den Präsenzunterricht zurückkehren. Bereits seit Ende April sind die Abschlussklassen wieder an den Schulen, seit Montag die Klassen, die im kommenden Jahr einen Schulwechsel oder Abschluss planen. Zählen Schüler oder Menschen, mit denen sie zusammenleben, zu einer Risikogruppe, entscheiden die Eltern über den Schulbesuch.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 8. Mai 2020 15:29 Uhr

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