Brandenburg will Corona-Reserve in Krankenhäusern senken

Brandenburg will Corona-Reserve in Krankenhäusern senken

Die Krankenhäuser in Brandenburg sollen auch in der Corona-Krise bald wieder Operationen und andere Eingriffe anbieten können. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) kündigte am Mittwoch in Potsdam eine Empfehlung an die Kliniken an, zurückgestellte Operationen wieder hochzufahren. Sie begründete das mit einer sinkenden Zahl von Corona-Patienten in Krankenhäusern. Das Hochfahren soll nach einer Prioritätenliste gehen, wie schwer die Konsequenz einer Verschiebung für einen Patienten wäre. Rund ein Viertel der Beatmungskapazitäten sollen reserviert bleiben, um bei einer Verschlechterung der Lage wieder schnell reagieren zu können.

Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/ Die Grünen)

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Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/ Die Grünen), Gesundheitsministerin von Brandenburg.

Es sei gelungen, die Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden, sagte Nonnemacher im Gesundheitsausschuss des Landtags. «Wir müssen jetzt aber auch dran denken, inwieweit wir es noch rechtfertigen können, bestimmte Eingriffe bei anderen Patienten etwas zurückzustellen.» Brandenburg sei bisher «nicht im entferntesten» an Kapazitätsgrenzen bei der Versorgung schwerer Corona-Fälle gestoßen.
Nach offiziellen Zahlen würden 142 Menschen in Brandenburg stationär behandelt, davon 22 maschinell beatmet, sagte Nonnemacher. «Das ist im Vergleich der letzten Tage ein Tiefstand.» Am Dienstag waren noch 147 Patienten in stationärer Behandlung registriert, am Sonntag 199 Menschen. Insgesamt wurden am Mittwoch 2860 Corona-Infizierte statistisch erfasst. Bisher starben 137 Corona-Patienten. Die Sterberate von 4,8 Prozent liegt nach Angaben aus dem Innenministerium fast einen Prozentpunkt über dem Bundesdurchschnitt.
Nach Angaben der Gesundheitsministerin haben Krankenhäuser ihr schon erste Begehrlichkeiten angetragen, Kurzarbeit zu zahlen. «Das habe ich von mir gewiesen», sagte Nonnemacher. Die Zahl der Krankenhausbetten mit künstlicher Beatmung stieg nach ihren Angaben von 531 im März auf 886. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Dienstag Empfehlungen an die Länder vorgelegt, damit ab Mai weniger Kapazitäten für Corona-Patienten freigehalten werden.
Nach einem Coronavirus-Ausbruch im Klinikum Ernst von Bergmann könnte das größte Potsdamer Krankenhaus voraussichtlich in ein paar Wochen wieder normal öffnen. Die neuen Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt und Tim Steckel hätten im Ministerium über ihre Pläne berichtet, sagte die Ministerin. «Das macht auch Hoffnung, dass das Ernst von Bergmann in einigen Wochen dann wieder voll an den Start gehen kann - in Teilbereichen möglicherweise etwas früher.»
Dort hatten sich seit Mitte März Corona-Infektionen gehäuft. Seit 1. April gilt ein Aufnahmestopp, aber nicht für Notfälle. Bisher starben an der Klinik den Angaben zufolge 42 Corona-Patienten. 33 Corona-Patienten sind aktuell in Behandlung. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte beide bisherigen Geschäftsführer für ein halbes Jahr beurlaubt.
Die Lage in einem weiteren Schwerpunkt im Land, der Brandenburgklinik in Bernau im Kreis Barnim, scheint sich nach Einschätzung der Ministerin etwas zu entspannen. Der Kreis schätze, dass die Klinik möglicherweise nächste Woche wieder «ans Netz» gehen könne, sagte Nonnemacher.
In einem Altenheim in Werder sind zehn mit dem Corona-Virus infizierte Bewohner wieder genesen. Das teilte der Landkreis Potsdam-Mittelmark am Mittwoch mit. Insgesamt 31 Bewohner hätten sich mit dem Virus infiziert - zehn davon seien verstorben. Auch 15 Mitarbeiter seien infiziert - davon seien bereits sechs wieder genesen, wie es weiter hieß. In dem «Haus am Zernsee» hatte sich nach Angaben des Landkreises vermutlich ein Bewohner während seines Aufenthaltes im Potsdamer St. Josefs-Krankenhaus infiziert - und nach seiner Rückkehr in die Einrichtung Ende März weitere Bewohner und Pfleger angesteckt.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Bund und Länder beraten am Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Die Gesundheitsministerin hält eine zu weitgehende Lockerung der Beschränkungen gegen das Coronavirus für gefährlich. Es sei zwar richtig, bestimmte Dinge zu lockern, denn «wir müssen uns auch der schweren Grundrechtseingriffe bewusst sein», sagte Nonnemacher. Sie warne aber, «wenn wir auf einen Schlag wieder zuviel freigeben, dass dann die Gefahr besteht, dass wir wieder in ein exponentielles Wachstum kommen.» Die Ministerin betonte: «Wir werden mit dieser Pandemie noch viele, viele Monate - vermutlich bis ins nächste Jahr - zu tun haben.»
In Brandenburg sollen vom kommenden Montag an weitere Jahrgänge in die Schulen zurückkehren. Vom 4. Mai an sollen wie geplant die Abschlussklassen der Jahrgangsstufe 6 in den Grundschulen wieder Präsenzunterricht erhalten, wie Innenstaatssekretär Uwe Schüler im Innenausschuss des Landtags erklärte. Dann sollen auch die Jahrgänge 6 und 9 der Förderschulen, die neunten Klassen der Oberschulen sowie die Jahrgänge 11 der Gymnasien und 12 der Gesamtschulen zurückkehren. Vom 11. Mai an sind nach Angaben von Schüler die fünften Klassen der Grund- und Förderschulen an der Reihe. Die Gesundheitsministerin sagte, sie sei auch dafür, Kitas und Schulen in Stufen wieder zu öffnen, aber es sei eine Gesamtabwägung.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 29. April 2020 17:58 Uhr

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