Bergmann-Klinik: Aufsichtsrat tagt nach Fehlereingeständnis

Bergmann-Klinik: Aufsichtsrat tagt nach Fehlereingeständnis

Etwa drei Wochen ist der schwere Ausbruch von Corona-Infektionen am Klinikum Ernst von Bergmann jetzt her, vergangenen Samstag räumte die Klinikleitung erstmals Versäumnisse ein: Heute berät der Aufsichtsrat der städtischen Klinik erneut über die Vorgänge in der Einrichtung und das weitere Geschehen. Zuvor hatte das Gremium bereits am vergangenen Freitag getagt. Für Mittwoch ist eine weitere Sitzung des Hauptausschusses der Stadtverordnetenversammlung anberaumt.

Der Eingangsbereich des Ernst von Bergmann Klinikums

© dpa

Der Eingangsbereich des Ernst von Bergmann Klinikums.

An dem größten Potsdamer Krankenhaus, das nach Angaben der Stadt etwa 500 000 Menschen in der Landeshauptstadt und der Region versorgt, hatten sich seit Mitte März die Fälle von Corona-Infizierten und von Toten gehäuft - bislang wurden dort den Angaben zufolge 39 Todesfälle gezählt. Derzeit werden 64 Menschen stationär betreut, davon werden 10 intensivmedizinisch beatmet. (Stand: 20.4. 16.00 Uhr)
Am Samstag hatte die Geschäftsführung des Klinikums nach einer nichtöffentlichen Beratung im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung erstmals Versäumnisse eingeräumt. «Im Zeitraum vom 13. bis 26. März ist im Klinikum Ernst von Bergmann eine kritische Entwicklung im Rahmen der Corona-Pandemie nicht ausreichend erkannt worden», hieß es. Von der Stadt hieß es am Montag dazu lediglich, man habe die Erklärung der Klinikleitung zur Kenntnis genommen.
Unterdessen reißt die Kritik am Krisenmanagement des Klinikums nicht ab. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bezeichnete die Stimmung unter den Beschäftigten des Klinikums nach Angaben eines Sprechers als «derzeit sehr angespannt.» Der Gewerkschaftssekretär für den Fachbereich Gesundheit und Soziales, Torsten Schulz, berichtete der Deutschen Presse-Agentur am Montag, dass besonders die intransparente Informationspolitik beklagt werde, da die Beschäftigten viele Informationen erst über die Medien erfahren hätten und nicht von der Klinikleitung.
Beschäftigte berichteten laut der Gewerkschaft von der Angst vor Ansteckung mit Covid-19 und der Sorge über nicht ausreichende Schutzausrüstung. Schulz forderte die lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse der vergangenen Wochen. Aussagen von Beschäftigten deuteten darauf hin, dass es scheinbar zu falschen oder verspäteten Entscheidungen gekommen sei.
Zum Schutz der Beschäftigten und Patienten am Klinikum forderte der Gewerkschaftssprecher eine konsequente Umsetzung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Zudem müsse genügend Personal in allen Bereichen des Krankenhauses eingesetzt werden - besonders in den Bereichen Pflege, Reinigung und Patientenversorgung, sagte Schulz.
Nach Aussage von Schulz stehe die Gewerkschaft in engem Kontakt mit den Beschäftigten und biete vor allem Rechtsberatung bei Fragen rund um den Infektionsschutz, der Arbeitszeit und der Dienstplanung an.
Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft unterdessen eine formelle Strafanzeige der Deutschen Stiftung Patientenschutz gegen die Geschäftsführung und Ärzte des Klinikums. Es geht laut Stiftung um den Verdacht des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und der fahrlässigen Tötung. Geprüft werde derzeit, ob Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann am Montag.
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© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Auch die Ordnungswidrigkeitsverfahren der Stadt Potsdam gegen Klinikmitarbeiter wegen des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz seien in der Prüfung. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte drei Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Ärzte und zwei gegen die Geschäftsführung eingeleitet. Grund sind nach Angaben von Stadtsprecher Jan Brunzlow die verspäteten Meldungen von Infektionszahlen und Fehler beim Management des Corona-Ausbruchs in der Klinik.
Außerdem drohte die Stadt der Klinikleitung vergangene Woche ein Zwangsgeld an, weil die Klinik sich zunächst weigerte, eine vollständige Dokumentation zu Ausbruch der Corona-Infektionen zu übermitteln. Die Klinikleitung hatte der Stadt nach Angaben des Oberbürgermeisters im Aufsichtsrat zugesagt, eine neue Dokumentation zu den Infektionen vorzulegen. Ob die Dokumentation nun in vollem Umfang vorliegt, teilte der Stadtsprecher auf Anfrage zunächst nicht mit. «Die Unterlagen werden derzeit gemeinsam mit dem Klinikum besprochen», sagte Brunzlow.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 21. April 2020 07:39 Uhr

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