BER-Baustelle steht unter Termindruck

BER-Baustelle steht unter Termindruck

Am Terminal des neuen Hauptstadtflughafens muss möglicherweise bis zum Ende aller Zeitpuffer gearbeitet werden. Der Flughafen soll nach jahrelangen Verzögerungen Ende Oktober 2020 in Betrieb gehen. Die Baufirma ROM rechnet aber damit, dass sie erst Mitte 2020 keine Aufträge von der Projektleitung bekommt, wie ihr Geschäftsführer Jürgen Sautter im Berliner Abgeordnetenhaus am Freitag sagte. «Dann sind wir mit der Mannschaft vor Ort fertig.»

Arbeiten am Hauptstadtflughafen BER

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Blick in die große Halle des Hauptterminalgebäudes vom Hauptstadflughafen BER.

Vom Sommer an sollen aber auch 20 000 Freiwillige den Flughafen testen. Das Bauamt hatte deutlich gemacht, dass dann nicht mehr gebaut werden darf und alle notwendigen Bestätigungen und Abnahmen vorliegen müssen. Vor der geplatzten Flughafeneröffnung 2012 hatte es einen Probebetrieb parallel zu umfangreichen Bauarbeiten gegeben.
Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die geplante Inbetriebnahme am 31. Oktober 2020. Im Bahnhof unter dem BER soll dann alle zwei Stunden auch ein Intercity (Rostock-Dresden) halten, wie der Flughafen und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg mitteilten.
Insgesamt gebe es dann pro Stunde 14 Zughalte, darunter sechs S-Bahnen und sieben Regionalbahnen. Der Regionalzug Flughafenexpress soll binnen einer halben Stunde vom Berliner Hauptbahnhof über die Bahnhöfe Gesundbrunnen und Ostkreuz zum BER fahren. Außerdem gibt es Busse von der U-Bahn-Station Rudow und aus Potsdam.
Etwas umständlicher wird es für Ryanair-Kunden. Die Fluggesellschaft fliegt nicht vom neuen Terminal, sondern vom bisherigen Flughafen Schönefeld. Regionalbahnen werden dort künftig nicht mehr halten. Das sogenannte Terminal 5 wird nur noch mit Bussen und S-Bahnen zu erreichen sein.
Im kommenden Jahr sollen knapp 60 Prozent der An- und Abreisen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr laufen. Langfristig stehe ein Ziel von 70 Prozent, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.
Auf der Baustelle ist der Termindruck groß. Nach Sautters Worten soll ROM (Rudolf Otto Meyer Technik GmbH) nun auch samstags im Terminal arbeiten. Probleme gibt es auch im neuen Terminal 2, das ebenfalls im Oktober 2020 in Betrieb gehen soll. Der Technikchef des Flughafens, Carsten Wilmsen, hatte am Donnerstag von «erheblichen Planungsdefiziten» bei der Gebäudeausrüstung und Elektrik gesprochen.
«In den ersten Monaten 2019 sind wir mit dem Projekt durch ganz schwieriges Wetter gegangen», bekannte Wilmsen im Unterausschuss Beteiligungsmanagement. Die Probleme seien aber gelöst. Gewerke arbeiten parallel, damit es schneller geht - was Kosten nach sich zieht. Es seien Ergänzungsvereinbarungen im einstelligen Millionenbereich geschlossen worden, sagte Wilmsen. Bislang war das Zusatzterminal mit 200 Millionen Euro veranschlagt gewesen.
Aus Sicht von ROM-Manager Sautter sind die Planungsdefizite im Terminal 2 weniger kritisch als die, die es im Hauptterminal gab. Dort arbeiten die Elektriker an Kabeln für die Sicherheitsbeleuchtung und Notstromversorgung. Weil auf den dafür vorgesehenen Metallbrücken zum Teil zu viele Leitungen liegen, müssen Kabel neu gezogen oder die Aufhängung der Brücken verstärkt werden. Das sei eine Folge der zahlreichen Umplanungen, etwa beim Brandschutz, wie Sautter im BER-Untersuchungsausschuss sagte. «Die Kabel müssen ja irgendwohin.»
Die Lösung dieses Problems hatte sich immer wieder verzögert. Noch im Mai war Flughafenchef Lütke Daldrup davon ausgegangen, in diesem Herbst mit den Kabelgewerken fertig zu werden. Zuletzt sicherte er am Donnerstag zu, dass das Gebäude im Frühjahr mängelfrei sein werde. Im April soll ein Probebetrieb beginnen, an dem sich im Sommer auch Tausende Freiwillige beteiligen sollen.
Sautter wies den Verdacht zurück, dass sein Unternehmen nicht schnell genug arbeite. «Wir haben kein Interesse daran, dort unnötig Leute zu binden.» Die Auftragslage sei gut, er könne die Elektriker vom BER auch gut anderswo gebrauchen. «Wir haben mehrere Projekte in Deutschland, und der Flughafen ist nicht unbedingt Top 10.» Sautter sagte, es habe auch keine bewusst schlechten Leistungen durch die ROM-Vorgängerfirma Imtech gegeben.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 6. Dezember 2019 16:28 Uhr

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