Medizinprodukte könnten auch in Brandenburg knapp werden

Medizinprodukte könnten auch in Brandenburg knapp werden

Wegen einer EU-Verordnung, die ab Mai 2020 schärfere Kontrollen bei Medizinprodukten vorschreibt, könnte es auch in Brandenburg zu Versorgungsengpässen kommen. Wie das Gesundheitsministerium in Potsdam auf eine Anfrage der AfD im Landtag mitteilte, sehen Branchenvertreter bundes- und europaweit Schwierigkeiten, die ab 26. Mai greifenden neuen Vorschriften fristgerecht umzusetzen. Damit sollen Qualität und Sicherheit von Medizinprodukten, wie Verbandsmaterial, Rollstühle, Herzschrittmacher oder Röntgengeräte, die sich bereits auf dem Markt befinden oder vor ihrer Neuzulassung stehen, strenger kontrolliert werden.

Laut Ministerium unterstützt Brandenburg die Bundesregierung, bei der Europäischen Kommission eine Lösung zu erreichen, um die neuen Bestimmungen zeitnah umzusetzen. Die Versorgung der Bevölkerung mit sicheren und effizienten Medizinprodukten habe für die Landesregierung hohe Priorität.
Den Angaben zufolge hat die EU-Kommission bis Anfang Oktober fünf Prüfstellen in Deutschland, Großbritannien und Italien für die Zertifizierung der Medizinprodukte anerkannt. Bislang hätten 41 der 58 bisherigen Prüfeinrichtungen ihre Zulassung beantragt. Dem Bundesverband Medizintechnologie zufolge müssen rund eine halbe Million Produkte neu zertifiziert.
Über finanzielle Schäden oder Stellenstreichungen bei Brandenburger Unternehmen als Folge der EU-Verordnung liegen der Landesregierung den Angaben zufolge keine konkreten Informationen vor. Laut bundesweiten Erhebungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sowie des Deutschen Industrieverbands für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik, Spectaris, hat jedes dritte der 300 befragten Unternehmen seine Existenz durch die EU-Bestimmungen als gefährdet bezeichnet. Es sei jedoch offen, ob diese Zahlen auf Brandenburg übertragbar seien, erklärte das Ministerium.
Die neue Verordnung war mit einer zweijährigen Übergangsfrist bereits am 25. Mai 2017 in Kraft getreten. Ein Anlass für die verschärften Regeln war der Brustimplantate-Skandal in Frankreich, bei dem ein Hersteller minderwertiges Material verwendet hatte. Die Implantate hatten bei Frauen auch in Deutschland zum Teil schwere Schäden verursacht.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 11. November 2019 06:30 Uhr

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